Dating als Journalist – darauf sollten Sie achten

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Wer als Journalist erfolgreich sein will, muss kreativ sein – und das gilt auch fürs Privatleben. Lange und stressige Arbeitstage im Newsroom, Schichtdienste, kurzfristige Dienstreisen für Reporter und Abwesenheiten als Korrespondent erfordern mehr Planung als bei anderen Berufen, wenn es mit Beziehung und Familienleben trotzdem klappen soll. In Coachings ist das immer wieder ein Thema, vor allem bei neuen Partnern. Deshalb dazu heute einige Gedanken: Worauf achten, wenn Sie jemanden kennengelernt haben?

Ein erster Schritt sollte sein, sich die Besonderheiten des eigenen Berufes vor Augen zu führen und sich darüber klar zu sein, dass sie einem neuen oder zukünftigen Partner bzw. einer Partnerin möglicherweise völlig unbekannt oder unverständlich sind. Wer einen „ganz normalen Beruf“ ausübt, denkt häufig nicht einmal daran, dass andere täglich bis 20 Uhr oder an einem Feiertag im Büro sitzen oder spontan am gleichen Tag ins Ausland reisen müssen – geschweige denn, was das langfristig für eine Beziehung wirklich bedeutet. Hier liegt es an Ihnen, davon zu berichtet und zu beobachten, wie Ihr Partner dazu steht.

Wer eine Beziehung mit einem Reporter eingeht, muss beispielsweise wissen, dass der Partner regelmäßig hektisch anrufen und mitteilen wird, dass er eben aus der Redaktion nach Hause geeilt ist und gerade seine Tasche packt, um irgendwohin zu fliegen – das geplante Abendessen oder der Kinobesuch fallen aus. Wer einen Beziehung mit einem freien Autoren führt, sollte verstehen, dass dieser nicht in einer Art Dauerferien lebt: Er hat Redaktionskonferenzen via Skype oder Telefon, Interviewtermine, Büroarbeiten daheim.

Partner muss oft allein zurechtkommen

Bei einem Redakteur sind es oft überlange Produktionstage und Schichtdienste, nicht selten tageweise wechselnd oder an Wochenenden. Für den Partner bedeutet das möglicherweise, jahrelang sonntags allein zu Hause zu sitzen, Familienbesuche allein zu absolvieren oder häufig Freunde für ein bisschen Gesellschaft ansprechen zu müssen. Das kann angenehm sein, mehr Zeit für sich selbst und eigene Unternehmungen zu haben, aber auch einen sehr unangenehmen Beigeschmack bekommen, wenn das gar nicht freiwillig geschieht.

Besondere Herausforderungen stellen sich für Auslandskorrespondenten, seien sie frei oder angestellt: Kann und will der Partner mitkommen, dürfte er arbeiten (manche Visa erlauben nur die Begleitung ohne eigene Berufstätigkeit), könnte man auch mit nur einem Einkommen auskommen? Bis vor einigen Jahren wanderten Korrespondenten praktisch in ihr Gastland aus und blieben nicht selten auch nach der Pensionierung. Heute sind Entsendungen von sechs Wochen bis sechs Monaten oder, das andere Modell, von zwei bis vier Jahren üblich, was langfristige gemeinsame Entscheidungen, etwa zu Kindern, schwieriger macht.

Ein andere Konfliktherd ergibt sich aus dem Informationsvorsprung eines Journalisten. Auf ein harmloses „Hast Du schon gehört, …“ des Partners, der kein Journalist ist, müsste er ehrlicherweise oft antworten:  „Ja, vor einer Woche in der Agentur gelesen“ oder „Stand zwar auf Facebook, ist aber eine Ente.“ Andere Themen, etwa Politik, oder Ereignisse in der Medienwelt, stoßen möglicherweise kaum auf Gegeninteresse. Hier hilft es, sich ein wenig zu bremsen und die Perspektive des Partners nicht nur zu respektieren, sondern als Bereicherung zu sehen: In einem gewissen Sinne spricht da eher ein Leser als ein Kollege, und man kann trotzdem etwas lernen, und sei es, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.

Verzicht auf Hausbau und Wochenplan helfen vielen

Ein kleineres Problem als noch vor einigen Jahren sind dagegen überlange Arbeitszeiten, wenn es sich nicht um Führungskräfte handelt. Seit selbst große Medienhäuser oft nur noch Tariflöhne zahlen, sind viele Redakteure nicht mehr bereit, täglich Überstunden zu machen, die weder bezahlt noch ausgeglichen werden. Zudem haben sich viele Betriebsräte darauf verlegt, nicht mehr weiter mit dem Arbeitgeber darüber zu diskutieren, sondern die örtliche Gewerbeaufsicht zu informieren. Bei drohenden Geldstrafen ist der vertraglich vereinbarte 8-Stunden-Tag schnell da, allerdings auch die weniger angenehme Zeiterfassung.

Die glücklichsten Paare, die ich unter Medienprofis sehe, sind diejenigen, die bewusst auf das Haus am Stadtrand (und die damit verbundene Verschuldung) verzichten und sich eine Mietwohnung in der Stadt nehmen, um Arbeitsweg und Stress zu verkürzen. Bewährt hat sich auch, feste Zeiten für den Partner reservieren. Beispiel: Samstags grundsätzlich kein Redaktionsdienst oder jeden Mittwoch pünktlich zu Hause, wenn nicht gerade ein absoluter Notfall vorliegt, um gemeinsame Unternehmungen planbar zu machen.

Nicht wenige Paare organisieren ihr Leben über zwei Städte oder sogar zwei Länder verteilt, teilweise mit Kleinkindern, was sehr unterschiedlich gut funktioniert. Hier empfiehlt es sich, nach einigen Monaten zu klären, ob das als Dauerzustand (über mehrere Jahre) für beide akzeptabel ist und was sich daraus praktisch ergibt – von der Verteilung der Kosten für zwei Wohnungen und das Pendeln bis hin zu heiklen Beziehungsfragen, ob man beispielsweise werktags allein abends ausgehen kann und wie beide Treue definiert sehen möchten.

Insgesamt trägt der Journalistenberuf viele Besonderheiten in eine Beziehung, manche bereichernd, andere eher behindernd. Ihr Gegenüber, falls nicht selbst Journalist, sollte sie kennen lernen und Sie wiederum sollten sich ansehen, ob Ihr Partner damit leben könnte, wie alltagstauglich das also langfristig ist. Mit ein wenig gutem Willen auf beiden Seiten lässt sich vieles gestalten, Beruf und Privatleben gehen auch im Journalismus gut zusammen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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