Leben Sie da, wo Sie wirklich sein wollen?

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Eine Magazinredakteurin war nach dem Studium in München geblieben, sehnte sich aber zunehmend – und für sie selbst überraschend – nach ihrer Geburtsregion im Norddeutschen. Ihre Eltern lebten noch da, und sie vermisste das Gefühl von Heimat. Ein Produktmanager war es nach mehr als fünf Jahren leid, jede Woche von Köln zur Arbeit nach Hamburg zu pendeln. Seine Gesundheit und die Ehe litten darunter, auch die Kosten waren beachtlich. Eine Autorin war immer sehr glücklich in Berlin. Seit der Geburt ihrer Tochter wünschte sie sich aber einen übersichtlicheren, ruhigeren Wohnort.

In der Lebensmitte stellen viele Medienprofis fest, dass die Zufälle des Lebens sie an einen Wohnort geführt haben, der nicht mehr unbedingt ihren Vorstellungen entspricht. Meist hat der Beruf oder eine Beziehung den Umzug ausgelöst, „und dann bin ich einfach geblieben“. In jungen Jahren ist der nächste Umzug nur eine Frage des gepackten Koffers. Später machen ihn viele Zwänge und Verpflichtungen komplexer oder verhindern ihn (zunächst) ganz. Doch es lohnt sich enorm für die eigene Lebensqualität, den aktuellen Wohnort bewusst zu überdenken und bei Bedarf zu ändern.

Wirklich Auswandern wollen nur wenige

In jeder ersten Coaching-Session spreche ich mit Klienten über ihre Vorstellungen – wie sie ihr Leben in verschiedenen Bereichen empfinden und was sie sich wünschen. Nur selten sind Auswanderer-Träume dabei: „Kalifornien wäre schon was“, heisst es da vielleicht mit einem Lächeln, „oder auch Südafrika.“ Fast immer bleibt es aber bei der romantischen kleinen Sehnsucht, der keine weiteren Taten folgen. Wer als Berufstätiger über Mitte 30 über seinen Wohnort nachdenkt, hat meist andere, ernsthaftere Gründe. Hier einige häufige Szenarien:

  • Führungskräfte, die wegen einer reizvollen Aufgabe in eine andere Stadt pendeln. Ein Umzug ist nicht gewollt oder praktikabel, weil der Partner keine passende Arbeit findet oder private Gründe dagegen sprechen (z. B. Eltern am Wohnort, die zeitweise die Kinder betreuen).
  • Medienprofis, die sich innerlich zerrissen oder unwohl fühlen, weil der Wohnort nicht mehr ihren Vorstellungen eentspricht. Typische Beispiele: Wünsche nach kürzeren Arbeitswegen, mehr soziale Gemeinschaft und Zeit für Familie und Freunde, Naturnähe.
  • Praktische Zwänge, beispielsweise ein pflegebedürftiger Elternteil, der in einem weiter entfernten Ort wohnt. Einige Zeit ließ sich die Situation durch Pendeln überbrücken. Doch aus der scheinbaren Ausnahmesituation ist ein belastender Dauerzustand geworden.
  • Autoren und Korrespondenten, die aus privaten Gründen (Partner, Kinder) oder geschäftlichen Zwängen (sinkende Umsätze bei Freiberuflichkeit) erwägen, wieder in ihre Heimat oder an einen dritten Ort zu ziehen. Die einstige Traumstadt hat ihren Reiz verloren.

Das „Luxusproblem“ wird schnell zur Alltagsfrage

In allen derartigen Szenarien wird das vermeintliche Luxusproblem zur drängenden Alltagsfrage – oft zur Überraschung der Betroffenen selbst, die es lange beiseite gewischt haben („Erstmal geht das schon.“) Je länger ungelöst, desto mehr zehrt es an den Kräften, an der Beziehung und häufig auch an der Haushaltskasse, wenn zwei Wohnorte und Pendelfahrten selbst finanziert werden müssen. Einige Aktivitäten können Ihnen helfen, sich klarer zu werden, wo und wie Sie in Zukunft leben wollen:

  1. Lösen Sie sich für einen Moment von allen praktischen Zwängen und notieren Sie, wie ihr idealer Wohnort sein sollte. Je mehr konkrete Eigenschaften, desto besser. Die Liste hilft Ihnen, Ihr Unbehagen in eine Vision zu verwandeln und Chancen besser zu erkennen.
  2. Beziehen Sie Ihren Partner mit ein. Gerade Führungskräfte haben oft für sich selbst einen Plan, der aber hauptsächlich ihren eigenen Job umfasst. Gestalten Sie gemeinsam als Familie eine Idee, die neben dem Beruf auch andere Aspekte (Freunde, Freizeit, Kosten) einbindet.
  3. Falls Sie einen möglichen Wunschort noch nicht gut kennen: Probieren Sie ihn aus, indem Sie regelmäßig Wochenenden oder Urlaubstage dort verbringen. Das kann bis zu einem gewissen Grad den Alltag simulieren und helfen, Freunde und berufliche Kontakte vor Ort aufzubauen.
  4. Da der Beruf fast durchweg die wichtigste Hürde ist: Gewöhnen Sie sich an, sich regelmäßig in der neuen Wunschregion zu bewerben – zwei, drei halbherzige Versuche sind zu wenig. Recherchieren Sie lokale Firmen und Events, aber auch lokale Gehälter und Kosten.

Eine der größten Blockaden liegt darin, dass die vorhandenen Bequemlichkeiten des aktuellen Lebens zum goldenen Käfig werden. Die derzeitige Wohnung ist doch so schön, ein Partner müsste die Arbeit wechseln, das Kind fühlt sich wohl in der Schule. Hier kann man zu mehr Mut, Abenteuerlust und Selbstvertrauen aufrufen. So wie damals in Ihren 20ern, als Sie mit weniger Geld, Erfahrung und Kontakten mehr riskiert und viel geschafft haben – jetzt können Sie das umso mehr.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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