So kommen Sie aus einer Lebenskrise

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Vieles lässt sich im Leben verändern. Doch manches stellt sich – und diese Erkenntnis ist besonders für pragmatische, selbstbestimmte Menschen schmerzhaft – als endgültig heraus. Enttäuschungen oder gar persönliche Tragödien sind keine Ausnahme, sondern ein Teil jeder Biografie: Gescheiterte Karrieren oder Beziehungen, später bereute Entscheidungen, Konkurse, Trauerfälle. Diese Wendepunkte im Leben sind schmerzhaft und schwierig zu bewältigen, tragen aber trotzdem einen Wert in sich, auch wenn er anfangs kaum zu entdecken ist. Dazu heute einige Gedanken aus der Coaching-Praxis, in der diese Szenarien neben beruflichen Themen immer wieder zur Sprache kommen.

Eine befreundete Journalistin, überraschend entlassen nach einer langen Karriere, bereute an diesem Punkt, nie eigene Kinder gehabt zu haben, für die es nun auch zu spät war. Ein anderer betrauerte die verpasste Chance, in jungen Jahren auszuwandern. Damals fehlte ihm der Mut. Jetzt, mit Familie und einer Karriere in Deutschland, schien es sinnlos. Häufig höre ich die Enttäuschung über verlorene Jahre in einer Beziehung, die immer unverbindlich blieb: Einseitige Hoffnungen, gelegentliche Treffen, aber immer getrennte Leben.

Ein Autor, den ich kennenlernte, trauert seit fast zwei Jahren um seinen verstorbenen Hund. Immer und immer wieder sehe ich Fotos von beiden auf Facebook, berührend betextet, und es wird ersichtlich, dass ihm ein Partner verschwunden ist, für den es keinen Ersatz gibt. Ein ehemaliger Kollege hat sich nach einem kurzen, nicht sehr erfolgreichen Gastspiel bei einem großen Magazin mit Mühe wieder in seine frühere Lokalredaktion gerettet und schreibt wie einst über die Themen seiner Kleinstadt. Ein Rückschlag, der weh getan hat.

Was tun in einer Phase, die derart schwierig ist?

  • Zuerst sollten Sie sehen, dass eine derartige Enttäuschung zu jedem Leben gehört, bei einem früher, beim anderen später. Dieses Erlebnis ist also unvermeidbar, es kommt eher darauf an, wie Sie damit umgehen. Möglicherweise möchten Sie, dass diese Episode so schnell wie möglich wieder vorbei ist. Verständlich, versuchen Sie aber auch, den Wert darin für sich zu entdecken. Er kann zum Beispiel darin liegen, dass Sie sich und andere bessere verstehen oder zu tieferen Einsichten gelangen, als es in den guten Zeiten möglich ist.

  • Belasten Sie sich nicht zu sehr mit dem Grübeleien über die „Schuld“ bei sich und anderen. Sicher ist es hilfreich, einmal die Fakten zu überdenken: Haben Sie damals etwas übersehen oder ignoriert, das Sie hätten sehen müssen? In dem meisten Fällen lautet die Antwort: Sie haben damals nach Ihren besten Möglichkeiten gehandelt. Es hat keinen Sinn, sich anhand Ihres heutigen Wissens zu beurteilen. Vielleicht war es teilweise oder auch gänzlich die Schuld anderer oder einfach nur Pech. Blicken Sie ruhig zurück, aber seien Sie gnädig mit ihrem früheren Selbst.

  • Erkennen Sie Ihre Erfolge an. Sie haben nicht „alles falsch gemacht“ oder „versagt“, auch wenn Sie sich vielleicht gerade so fühlen. Vieles ist in Ihrem Leben ist wahrscheinlich recht gut gelungen, vielleicht sogar das meiste. Ihre Reflektionen zeigen zudem, dass Sie schon etwas gelernt haben und klüger geworden sind. Sehen Sie Ihre Leistungen selbst bei dem, was nicht funktioniert hat: Sie haben immerhin etwas probiert und persönlich riskiert, auch wenn das Ergebnis nicht Ihren Hoffnungen entsprach. Schon auf den Versuch dürfen Sie stolz sein.

  • Bleiben Sie aktiv. In schwierigen Zeiten ist die Versuchung groß, sich ganz zurückzuziehen. Sicher: Sie brauchen Zeit zum Nachdenken und dafür, das emotional zu bewältigen. Sie sollten sich aber auch überlegen, was Sie brauchen, um Ihre Lage zu verbessern. Wer sich gerade getrennt hat, braucht vielleicht eine neue Wohnung. Wer einen neuen Job braucht, muss vielleicht seinen Lebenslauf aktualisieren. Wer pleite ist, braucht einen Termin beim Schuldenberater. Erledigen Sie, wenn immer Ihre Energie dazu reicht, auch einige praktische Schritte.

  • Glauben Sie daran, dass es weitergeht. Egal, wie Ihre Lage gerade ist, kann sie in naher Zukunft schon wieder ganz anders aussehen. Was Sie heute vielleicht noch verfluchen, wird ein wichtiger Baustein davon sein. Erlauben Sie sich also ein wenig Optimismus und Hoffnung, Sie können wieder die Regie übernehmen und Ihr Leben neu gestalten. Wahrscheinlich haben Sie bereits in der Vergangenheit viele Schwierigkeiten überwunden und können darauf vertrauen, dass Sie – wenn Sie mit sich Geduld haben – es wieder schaffen werden.

Was sind nun Szenarien, in denen jemand professionelle Hilfe suchen sollte, etwa bei einem Therapeuten oder Berater? Da ist sicher zum einen der Fall, dass jemand sehr lang keine Hoffnung und neuen Lebensmut empfindet, selbst wenn die Fakten dafür sprechen (z. B. neuer Job nach Arbeitslosigkeit). Zum anderen, wenn sich gewisse Szenarien immer wiederholen (z. B. immer wieder ähnlich gescheiterte Beziehung), es also den Anschein hat, dass der Lernprozess nicht groß genug war. Hoffnung gibt es auch hier, aber dann sollten Sie diesen Kampf nicht allein kämpfen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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