Warum haben meine Bewerbungen keinen Erfolg?

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Eine Ressortleiterin, seit zehn Jahren angestellt, hatte sich „immer wieder einmal“ woanders beworben und nur eine Einladung erhalten, sich vorzustellen. Das Angebot war ein Drittel schlechter bezahlt. Sie lehnte noch im Vorstellungsgespräch ab, war damit keinen Schritt weiter, aber völlig entmutigt. Ein Chefredakteur verschickte innerhalb eines Jahres rund 60 Bewerbungen, erhielt durchweg Absagen und entschied sich am Ende, innerhalb seines Verlages zu wechseln. Der erhoffte Aufstieg mit Gehaltserhöhung ließ sich nicht umsetzen.

Erfolglose Bewerbungen sind zermürbend, ernüchternd und hinterlassen nagende Zweifel: Bin ich gar nicht so gut und gefragt, wie ich geglaubt habe – finde ich vielleicht gar nichts vergleichbares mehr? Immerhin scheint die Antwort des Arbeitsmarktes klar: Kein Interesse. Doch es gibt viele Gründe, warum Bewerbungen keinen Erfolg haben. Hier einige besonders häufige Ursachen und was Sie tun können, um Ihre Chancen zu erhöhen.

Sie verschicken zu wenige Bewerbungen

Wer keinen neuen Job braucht, sondern sich verbessern möchte, geht oft zu zögerlich vor: Nur die wenigsten Stellenanzeigen scheinen die Mühe wert, vielfach kommen gerade einmal zwei bis drei Bewerbungen pro Quartal zusammen. Bis zu einem gewissen Grad sind Bewerbungen jedoch ein Volumengeschäft: Da viele Faktoren gleichzeitig bei Ihnen und dem Arbeitgeber passen müssen, braucht es ausreichend viele Versuche gleichzeitig.

Gehen Sie daher an Ihre Bewerbungen so ernsthaft heran, als müssten Sie tatsächlich jetzt einen neuen Job finden. Abonnieren Sie die wichtigsten Newsletter mit Stellenanzeigen (z. B. von Newsroom.de) und installieren Sie Apps mit Angeboten (z. B. Job-App von LinkedIn). Verschicken Sie zehn bis zwölf Bewerbungen pro Monat und tragen Sie alle in einer Tabelle ein, um den Überblick zu behalten. Denken Sie auch an Initiativbewerbungen und den Hinweis an Freunde aus der Branche, dass Sie sich beruflich verändern wollen.

Ihre Kriterien schließen alles aus

Selbstverständlich hat jeder, der sich nach einem neuen Job umsieht, bestimmte Wünsche: Tätigkeit, Arbeitsort, Einkommen. Problematisch wird es, wenn sie so zahlreich und fix sind, dass der Wunschkatalog praktisch alle Optionen ausschließt. Beispiel: „Ich bin Sportreporter in Köln, vor allem Handball, und möchte das weiter machen, nur woanders. Ein Umzug geht aus familiären Gründen nicht, in die PR möchte ich nicht.“ Möglicherweise käme dann nur exakt ein weiterer Arbeitgeber überhaupt in Frage, der aber vielleicht niemanden sucht.

Ordnen Sie Ihre Kriterien daher nach Wichtigkeit: Was ist zwingend, was wünschenswert und was eine schöne Zugabe? Klar muss sein: Jede Bedingung verkleinert Ihre Optionen. In einem Coaching ist es daher oft ein wichtiges Thema, persönlich offener zu werden für eine echte Veränderung – also etwas tatsächlich anders zu machen, um ein anderes Ergebnis zu erreichen. Die wichtigsten Faktoren, mit denen Sie die Zahl Ihrer Möglichkeiten vergrößern können, sind Wohnort, Branche und, bis zu einem gewissen Grad, der Gehaltswunsch.

Sie suchen einen Job, den es gar nicht mehr gibt

Journalisten im mittleren Alter, die seit den 90er Jahren durchgehend angestellt sind, ist oft nicht bewusst, wie sehr sich die Branche um sie herum gewandelt hat. Ergebnis: Sie suchen Jobs, die es gar nicht mehr gibt. Beispiel: Der frühere Society-Kolumnist stellt fest, dass keiner mehr eine feinsinnige „Edelfeder“ sucht. In vielen People-Redaktionen sieht er jüngere, niedriger bezahlte Kollegen, die vielfach vor allem Social-Media-Fotos betexten. Gute Schreibe, Erfahrung, Kontakte, so sein Eindruck, scheinen nicht mehr viel wert.

In diesem Bereich gilt es, sich von der Vergangenheit zu verabschieden und die Realitäten anzuerkennen: Die Zeiten haben sich geändert. Diese Einsicht ist schmerzhaft, gleichzeitig herausfordernd: In Stellenanzeigen sehen Sie, was heute gesucht wird (z.B. deutlich mehr in Bereichen wie Content Marketing, Kommunikation, PR, Online-Marketing). Vergleichen Sie mit Ihrem Profil, um zu prüfen, ob Ihnen Qualifikationen fehlen, die Sie nachholen sollten.

Eine Altersfrage ist das, anders als oft gedacht, nicht an erster Stelle. Selbst ehemalige Journalisten um die 50 sind erfolgreich in „junge“ Unternehmen wie Agenturen und Startups aus der Technologie-Branche gewechselt und haben ihre Qualitäten und Erfahrungen dort einbringen können. Wenn Sie sich verändern wollen, ändern Sie also Ihre Strategie, wenn Bewerbungen bisher nicht so erfolgreich waren, wie Sie es sich wünschen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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