Warum werde ich nie befördert?

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Es geht doch wirklich ungerecht zu, ist die verbitterte Einschätzung manches Medienprofis, wenn er an das Thema Beförderungen denkt. Wieso ist der Kollege, den man einst als Volontär betreut hat, heute Chefredakteur – man selbst aber immer noch Redakteur? Warum wurde die junge Reporterin innerhalb von 18 Monaten gleich zweimal befördert, ihr Schreibtischnachbar, der seit zehn Jahren in der Redaktion ist, aber kein einziges Mal?

Viel Enttäuschung und Verärgerung ergibt sich aus dem Eindruck, bei Beförderungen immer wieder ungerechtfertigt übergangen zu werden. Doch die Wahrheit ist: Es geht in diesem Bereich rationaler und gerechter vor, als es manchem scheint. Unternehmen haben ihre Gründe, warum sie jemanden befördern und jemand anders nicht. Die gute Nachricht: Vieles können Sie selbst beeinflussen. Hier einige typische Karrierebremsen und wie Sie sie lösen.

Sie schätzen Ihre Fähigkeiten falsch ein

Einer der häufigsten Karrierebremsen ist die falsche Einschätzung der eigenen Leistung und ihrer Relevanz für eine Führungsposition. Beispiel: Ein Videoreporter, der nach mehrjähriger Tätigkeit bei einer Tageszeitung überzeugt ist, dass ihm nun eine Führungsposition zusteht. Oft ist nicht nur das Profil zu schmal (Führung beinhaltet u.a., die Arbeit anderer und Budgets zu verwalten, Mitarbeiter zu organisieren). Vielfach hat der Medienprofi auch nie klar gemacht, dass er sich weiterentwickeln will, sondern gehofft, das andere sein Potential wahrnehmen.

Ausweg: Holen Sie sich regelmäßig Feedback, also Einschätzungen Ihrer Leistung durch den Vorgesetzten und andere (z. B. Kollegen). Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie mehr als Ihre Kollegen für eine Führungsposition geeignet wären, sollte sich das irgendwie belegen lassen. Schaffen Sie daher Gründe für eine Beförderung, z. B. eigene Projekte oder Initiativen. Vergessen Sie nicht: Auch der wohlmeinendste Chef muss anderswo begründen, warum er wen befördern will. Dafür braucht er selbst stichhaltige Argumente.

Sie haben sich selbst unentbehrlich gemacht

Dieses Problem betrifft vor allen Dingen Medienprofis, die sich über die Jahre eine spezielle Expertise aufgebaut haben. Beispiele: Reporter und Vertriebsprofis mit hervorragenden Kontakten, Chefs vom Dienst und IT-Experten, die als einzige alle Abläufe und technischen Detail genau kennen. Sie haben sich durch ihre Arbeit selbst unentbehrlich gemacht. Jeder Vorgesetzte, der sie befördern würde, würde sich damit ein enormes Problem schaffen: Kein anderer kann die Arbeit so gut erledigen, oft versteht er sie selbst nur begrenzt.

Ausweg: Beginnen Sie bewusst damit, sich Schritt für Schritt entbehrlich zu machen, um sich aus dieser Falle zu befreien. Erklären Sie anderen im Team, was Sie genau machen, damit sie Ihre Arbeit nachvollziehen und zunehmend (Urlaub, Abwesenheit) übernehmen können. Dazu gehört, dass Sie Ihre Arbeit dokumentieren, also Arbeitsschritte und andere wichtige Informationen aufschreiben und teilen, und Zugangsberechtigungen organisieren.

Sie haben zu lange gewartet, werden nun übersehen

Seit längerem werden Führungspositionen an deutlich jüngere Mitarbeiter vergeben. Beispiel: Ein Ressortleiter, 50 Jahre alt und ehemaliger Chefredakteur bei einem anderen Verlag, erhält eine Nachfolgerin, die erst 27 Jahre alt ist und vor kurzem noch Reporterin war. Für Kollegen, die älter als Mitte 30 sind, ergibt sich daraus oft ein Problem: Sie haben zu lange gewartet oder waren in der Vergangenheit nicht an einer Führungsposition interessiert. Nun sind sie plötzlich aus dem Raster der“ Young Potentials“ heraus und werden übersehen.

Ausweg: In diesem Fall hilft häufig nur noch, sich gezielt auf Führungspositionen in anderen Medienhäusern zu bewerben. Wo und was genau, ist nachrangig, entscheidend ist ein Titel, der eine Führungsposition ausdrückt, und ein kleines Team – selbst, wenn es nur eine weitere Stelle ist. Oft ist es möglich, nach solch einer Station auch wieder zum alten Arbeitgeber zurückzukehren. Dann mit Führungserfahrung und einer besseren Verhandlungsbasis.

Ihr Auftreten passt nicht zu einer Führungsposition

Das moderne Arbeitsumfeld hat bei vielen den Eindruck erweckt, auf äußere Formen käme es nicht mehr an. Doch mit jeder Karrierestufe wird es etwas konservativer, was das erwartete Auftreten (Kleidung, Styling, Benehmen) angeht. Im verwaschenen T-Shirt, alten Jeans und mit zweifelhaften Manieren bekommt man selten große Verantwortung und Budgets anvertraut und würde auch viele Gesprächs- und Verhandlungspartner befremden. Selbst bei den Tech-Firmen kommt oft nur der Gründer so locker daher, nicht aber das Management.

Ausweg: Sie müssen sich nicht verkleiden, aber sehen, dass der äußere Eindruck ein Element davon ist, wie man Sie einschätzt und was man Ihnen zutraut. Setzen Sie sich daher damit auseinander, wie die Balance aus eigenem Stil und den Erwartungen anderer für Sie aussehen kann. Nicht selten kann es hier auch sinnvoll sein, sich einmal professionell beraten zu lassen – insbesondere, wenn man seit 20 Jahren den gleichen Look trägt.

Sie glauben irrtümlich, gute Arbeit wäre genug

Wer noch sehr jung ist, stellt oft empört fest, dass Kollegen befördert werden, die „gar nichts Besonderes geleistet haben“. Sie können sich das nur mit besonders zweifelhaften Methoden erklären, etwa berechnendem Taktieren und Manipulation – „der hat sich doch nur beim Chef eingeschleimt!“ Tatsächlich kann es das geben. Fakt ist aber auch: Gute Arbeit allein ist kein Grund für eine Beförderung, sondern wird erwartet und ist mit der Bezahlung am Monatsende bereits abgegolten. Für eine Beförderung braucht es mehr als nur Fleiß.

Ausweg: Machen Sie sich klar, dass Karriere auf mehrere Faktoren beruht. Ausreichend gute Arbeit (wohlgemerkt: nicht zwingend Spitzenleistungen) ist einer davon. Dazu gehören aber auch weitere: Soziale Kompetenz (Umgang mit anderen, Kontaktpflege), Charakter (u.a. Ausdauer, Loyalität, Beharrlichkeit) und „Glück“, was in Wahrheit bedeutet, Chancen zu erkennen und dann auch zu nutzen. Arbeiten Sie also nur so viel, dass Sie auch noch Zeit und Kraft für die anderen wichtigen Karriere-Faktoren haben.

Bei einigen Punkten haben Sie möglicherweise einen Widerwillen gespürt oder sich selbst gedacht, dass so etwas für Sie nicht in Frage käme – „ich kann mich doch nicht völlig verstellen“. Einerseits stimmt das nur begrenzt, man kann durchaus seine Einstellung zu gewissen Punkten überdenken und ändern. Andererseits führt das oft zu einer wichtigen Erkenntnis: Führungspositionen haben ihren Preis, und manchem ist er am Ende zu hoch. Wer sich dafür entscheidet, verändert vielleicht nicht seinen Job, aber seine Zufriedenheit.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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