Was tun, wenn die Karriere stagniert?

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In der Theorie – so, wie man sich als junger Mensch das Berufsleben vorstellt – geht es mit der Karriere stetig bergauf. In der Praxis liegen zwischen beruflichen Veränderungen, und nicht alle davon sind Beförderungen, meist mehrere Jahre, in denen sich gar nichts bewegt. Man geht morgens in die Redaktion, erledigt seine Themenangebote, Konferenzen, Recherchen und Abgaben und wundert sich abends, wo die Zeit geblieben ist.

Diese Plateauphasen sind Segen und Fluch zugleich. Sie machen routiniertes Arbeiten überhaupt erst möglich und sind die Zeiten, in denen man die Details seiner Fähigkeiten verbessern kann und sich auch weiterbilden. Gleichzeitig sind es die Jahre, in denen es nicht selten langweilig wird und der Marktwert (gefühlt) langsam sinkt. Wie Sie diese Jahre, in denen die Karriere stagniert, für sich nutzen können – darum soll es heute gehen.

Plateauphasen sind die Zeiten des effektiven Arbeitens

Zunächst: Genießen Sie die Routine. Jeder neue Job kostet Kraft und Aufmerksamkeit. Man muss die Arbeitsabläufe, Kollegen und ungeschriebenen Gesetze des Unternehmens kennenlernen und verinnerlichen. Erfahrungs- und Wissenslücken zeigen sich, die möglichst schnell zu schließen sind. Danach (nicht selten im 2. Jahr im Job) beginnt das Plateau: Sie wissen, was Sie tun, und durchlaufen Zyklen, die Sie bereits kennen und beherrschen.

Plateau-Phasen sind damit energieschonend. Sie können sich in den Details verbessern und beginnen, sich auch um weniger drängende Themen wie die Tagesproduktion zu kümmern. Dazu gehört typischerweise Networking und vielleicht eine kleinere Weiterbildung, z. B. ein Fremdsprach- oder Softwarekurs. Auch für das Privatleben ist in diesen Jahren mehr Zeit als sonst. Ist die Arbeit erledigt, kann man zum Sport, Freunde treffen, Hobbys nachgehen.

Gleichzeitig sollten Sie sich bewusst sein, dass jede Plateauphase nach einiger Zeit, meist nach drei bis vier Jahren, zum subtilen Abstieg wird: Sie machen immer noch das gleiche, während andere um Sie herum vielleicht befördert wurden. Kein Vorgesetzter wird Ihnen das offen sagen, aber als Rädchen im Team sind Sie bequem (jeder Nachfolger müsste erst wieder eingearbeitet werden). Zudem traut man Ihnen zunehmend gar nichts anderes mehr zu oder meint, Sie hätten halt eben Ihren Zenit erreicht und den Ehrgeiz verloren.

Grundsätzlich ist dagegen nicht zu sagen. Für viele Arbeitnehmer, vielleicht die Mehrheit, passt dieses Arrangement. Sie sind insgesamt zufrieden mit ihrer Lebenssituation. Natürlich sehen sie mögliche neue Karriereoptionen, wägen sie aber gegen die Trägheiten des Erwachsenenlebens ab. Die ganze Familie müsste vielleicht umziehen, der Partner bräuchte dann eine neue Arbeit und die Kinder neue Schulen. Das Haus ist noch nicht abbezahlt und die Eltern, die bei Bedarf nach den Kindern schauen, wären plötzlich zu weit weg.

Hier läuft es häufig auf eine bewusste Entscheidung für Karrierepause oder -verzicht hinaus. Ich kenne Auslandskorrespondenten, die nach aufregenden Jahren in Weltstädten ihr stilles Glück in der Provinz gefunden haben und in Teilzeit für eine Lokalzeitung schreiben. Andere haben sich für ihr Häuschen entschieden und z. B. die Chancen einer Umstrukturierung, etwa die Versetzung in die Zentrale, abgelehnt und stattdessen die Redaktion oder Branche gewechselt, sind beispielsweise lieber Pressesprecher an ihrem Wohnort geworden.

Nach vier Jahren einmal die Zukunft überdenken

Für alle anderen könnte das 3. oder 4. Jahr im gleichen Job die Gelegenheit sein, sich über ihre Zukunft einmal intensiv Gedanken zu machen. Sich etwa die Frage zu stellen, wie lange sie die gleiche Tätigkeit noch machen wollten und könnten – und, falls an einem Wechsel interessiert, was für die nächste Karrierestufe interessant und nötig wäre. In einigen Fällen fehlen tatsächlich bestimmte Erfahrungen, häufiger aber Flexibilität. In Coachings geht es vielfach um dieses Dilemma: Alles soll bleiben, wie es ist, aber bitte mit anderem Ergebnis.

Wer schon deutlich länger im selben Job verharrt, zehn oder mehr Jahre, hat meist andere Gründe: Scheinbar zu wenig Optionen am Wohnort (z. B. andere Verlage), die Angst, keinen vergleichbaren Vertrag wie den aktuellen wiederzubekommen, und oft auch eine einseitige Verteilung der finanziellen Last in der Partnerschaft. Hier geht es oft darum, ein besseres Verhältnis zwischen empfundenen Chancen und Risiken zu erarbeiten, um überhaupt noch beweglich zu sein. Selbstverständlich gibt es immer Möglichkeiten, selbst über das 50. Lebensjahr hinaus oft mit inhaltlichen und manchmal auch finanziellen Verbesserungen.

Ein echtes Alarmzeichen ist es, wenn Sie einräumen müssen, dass Ihre Plateauphase nicht nachhaltig ist: Sie können gar nicht routiniert arbeiten und im Detail besser werden, sondern kämpfen ständig und bauen Substanz ab. Typischerweise, weil Sie die Stelle pausenlos überfordert – wegen Ihres Profils oder wegen zu viel Arbeit für ein zu kleines Team. Vielfach ist Durchhalten ohne ständige Urlaube, Wellness oder Krankheitstage gar nicht möglich. Hier ist Abwarten sicher die schlechteste Option, weil z. B. Ihre Gesundheit erkennbar abbaut.

Ein anderes Phänomen betrifft viele jüngere Medienprofis, vor allem in Digitalmedien: Sie verdienen zu wenig – und das zu lange, um es noch als „Aufbauphase“ zu rechtfertigen. Es gibt Medienprofis selbst mit Mitte 30, die dem Titel nach Führungskraft sind, sich aber nur ein WG-Zimmer leisten können oder finanziell noch von ihren Eltern helfen lassen müssen. Hier ist eine Plateauphase von 18 Monaten oft schon ausreichend, was den Lerneffekt angeht, und handfestere Aspekte eines Vertrages rücken in den Vordergrund.

Egal, in welcher Phase Sie gerade sind – gehen Sie davon aus, dass Sie nicht ewig währen wird. Je regelmäßiger Sie sich ein wenig Gedanken über das machen, was danach kommen soll, desto selbstbestimmter und unbeschwerter können Sie genießen, was gerade ist.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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