Was tun, wenn ich an mir selbst verzweifle?

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Ein Ressortleiter würde gern selbstbewusster bei Präsentationen auftreten, vielleicht sogar einmal eine Rede halten, denn er hat etwas zu sagen. Aber bereits der Gedanke daran schnürt ihm die Kehle zu und lässt ihn zittern. Also schweigt er und hält sich zurück, um sich „nicht zu blamieren“. Eine Chefreporterin, seit vielen Jahren allein und höchstens der Kumpel ihrer männlichen Freunde, würde gern eine Beziehung und Kinder haben. Aber sie wagt nicht, romantisches Interesse zu zeigen, „ich will nicht komisch rüberkommen“. Also tut sie so, als wolle sie all das gar nicht, und sieht enttäuscht die Jahre vorbeiziehen.

Es gibt wenig, das schmerzhafter ist, als genau zu wissen, was man gern hätte und auch sicher zu sein, dass man es schaffen könnte – aber doch nie den entscheidenden Schritt zu wagen, weil man zu ängstlich oder unsicher ist. „Etwas in mir hält mich zurück“, beschreiben viele dieses Gefühl der inneren Blockade: Lähmende Selbstzweifel und Hemmungen, negative Selbstkritik und Frust wegen früherer Enttäuschungen. Es ist nicht leicht, sich daraus zu befreien, aber absolut möglich – hier deshalb einige Schritte dafür.

Hören Sie auf, weiter „darüber nachdenken“ zu wollen

Wer an sich zweifelt, hat bereits unendlich über sich nachgedacht, Chancen und Risiken immer wieder neu abgewogen, Pläne gemacht und doch wieder verworfen. Nachdenken ist wichtig, führt nur bis zu einem bestimmten Punkt, danach dreht es sich im Kreis. Sie sollten also akzeptieren, dass Nachdenken („ich überlege noch, ob…“) Ihnen ab einer gewissen Phase nichts mehr bringt und es nur noch darum gehen kann, nun aktiv zu werden.

Im Kern steckt hinter endlosen Analysen die Angst vor dem Risiko: Man will sich absichern, soweit es nur geht. Das Problem: Es ist unmöglich, sämtliche Risiken zu beseitigen. Wer es doch versucht, zahlt einen hohen Preis: Stillstand und Unzufriedenheit. Sie sollten also eher versuchen, Risiken auf ein akzeptables Maß zu reduzieren, dann aber die Chancen in den Vordergrund zu rücken, die damit verbunden sind. Risiken sind nichts Schlechtes, sondern sogar die Bedingung für positive Erlebnisse wie Vorfreude, Überraschung, Abenteuer.

Erkennen Sie, dass Ihre Aktivität alles entscheidet

Schon Goethe schrieb: „Du mußt steigen oder sinken, Du mußt herrschen und gewinnen oder dienen und verlieren, leiden oder triumphieren, Amboß oder Hammer sein.“ In den poetischen Zeilen steckt die Wahrheit, dass jeder vor der Entscheidung steht, aktiv etwas selbst zu gestalten oder passiv auszuharren, dann gestalten die anderen. Bedeutet: Jede kleine aktive Handlung bringt Sie voran – unendlich mehr, als noch einmal zu „überlegen“.

Beispiel: Jemand möchte lernen, frei zu sprechen. Als Ziel könnte er sich setzen, nicht mehr darüber nachzugrübeln, Bücher darüber zu lesen und Videos anzuschauen – sondern es über zwölf Wochen lang einmal wöchentlich zu tun. Das kann eine Wortmeldung bei einem Meeting oder einem Elternabend sein, ein Vortrag bei einer lokalen Toastmasters-Gruppe oder anderes. Viele Male wird er doch stumm bleiben, aus Angst nicht aufstehen oder nur unsicher etwas murmeln, um gleich wieder abzubrechen. Aber das ist nicht schlimm, sondern Teil des Lernprozesses. Seien Sie hier ganz nachsichtig mit sich selbst.

Planen Sie eine lange Übungszeit ein

Wer aus einer inneren Blockade ausbrechen will, hat meist schon allerlei ausprobiert, fast immer aber jeweils nur wenige Male, und dann wieder aufgegeben. Eine Enttäuschung war nicht selten der schmerzhafte Beweis für sich selbst, dass man es nicht schaffen könnte: „Ich habe es ja versucht!“ Geben Sie sich daher viel mehr Zeit, um zu üben: Mindestens drei Wochen bei einer täglichen Aktivität, ansonsten zwölf Wochen. Es geht darum, dass Sie Routinen entwickeln und Rückschläge nicht als solche sehen, sondern als Stationen auf Ihrem Weg. Rückschläge sind der unangenehme, aber wichtige Teil allen Lernens.

Ein guter Ansatz ist, für einige Zeit gar nicht mehr so sehr an sein Ziel zu denken, sondern die dafür nötige Aktivität erst einmal genießen zu lernen oder sich zumindest daran zu gewöhnen. Beispiel: Wer sportlicher werden will, den trägt hilft der Gedanken an den neuen schöneren Körper oft nicht weit. Das Ziel sollte erst einmal sein, dreimal pro Woche zum Sport zu gehen und ein bisschen was zu tun, mehr nicht. Wer eine Beziehung sucht, sollte sich nicht bereits den perfekten Match ausmalen, sondern erst einmal nur üben, regelmäßig andere zu treffen, Interesse an ihnen zu zeigen und sie ein wenig zu verstehen.

Suchen Sie sich geduldige Unterstützer

Wer an sich zweifelt, ist sich selbst bereits der größte Kritiker. Sie brauchen also sicher nicht jemanden um sich, der Ihnen mitteilt, was Sie wieder alles falsch gemacht haben und dass Sie es wohl nie schaffen werden. Sie müssen hören, was Sie bereits gut machen und wie Sie etwas noch besser machen können. Suchen Sie sich also Unterstützer – Leute, die Sie ermutigen und ein ganz klein wenig unter Druck setzen, auch dabeizubleiben. Das können Partner oder Freunde sein, Arbeitskollegen und Profis (Coach, Trainer, Lehrer).

Inhaltlich hat Ihr Unterstützer die Aufgabe, Ihnen bei Bedarf zu erklären, wie Sie etwas besser machen können. Das setzt natürlich voraus, dass er bereits beherrscht, was Sie erst lernen wollen. Vor allem aber soll er Ihnen helfen, in der Zeitspanne des Übens nicht aufzugeben. Seine Anwesenheit an sich ist also bereits wertvoll. Technische Lösungen, etwa Apps mit Übungsplänen und Erinnerungsfunktionen, sind eine gute Unterstützung, ersetzen aber keinen Menschen – dafür sind sie zu statisch und lassen sich zu leicht ignorieren.

Vergleichen Sie sich nicht mit anderen, sondern sich selbst

Die Psychologie kennt das interessante Phänomen, dass die meisten Menschen “nach oben vergleichen”: Wer sich unattraktiv findet, achtet vor allem auf Menschen, die besonders gut aussehen (Schauspieler, Models). Wer Geld- oder Karrieresorgen hat, blickt auf besonders erfolgreiche Mitmenschen und ist entsprechend entmutigt – „Da komme ich ja nie hin!“ Vergleichen Sie sich daher vor allem mit sich selbst, und zwar mit Ihrem früheren Ich: Wo stehen Sie heute im Vergleich zu vor einem Jahr, vor fünf und zehn Jahren?

Wenn möglich, sollten Sie das anhand konkreter Kriterien tun. Beispiel: Sie wollten schon vor Ewigkeiten in einer Fremdsprache besser werden. Das Lernen fällt Ihnen aber schwer, und Sie haben immer wieder neue Kurse abgebrochen. Wie viele Vokabeln beherrschen Sie heute im Vergleich zu früher? Sind es mehr, waren Sie erfolgreich, wenn vielleicht auch nicht in den Maß oder Tempo, wie Sie es sich vorgestellt hatten. Die entscheidende Erkenntnis hier ist aber: Ihre Mühen haben sich gelohnt und lohnen sich weiter, Sie kommen voran.

Der Prozess, der hier beschrieben wird, ist nicht einfach, weil Sie dabei lernen, etwas sehr Grundlegendes zu verändern, nämlich die Beziehung zu sich selbst. Nicht mehr gegen sich selbst zu arbeiten, sondern sich selbst zuerst zu akzeptieren und dann zu stärken. Haben Sie deshalb vor allem viel Geduld und Nachsicht mit sich, wenn Sie Ihr eigenes großes Ziel ansteuern. Sie sind vielleicht noch nicht da, wo Sie hinwollen, aber schon unterwegs.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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