Wie schaffe ich einen Neuanfang ohne Verbitterung?

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Man muss ehrlich sein: Nur die wenigsten Menschen machen einen Neuanfang, weil ihnen gerade danach ist oder sie ihn lange und überlegt geplant haben. Fast immer werden sie durch inneres Leiden (z. B. Jobfrust) oder äußere Umstände (z. B. Trennung) dazu gedrängt oder gezwungen. In den meisten Fällen ist das Problem irgendwann gelöst: Eine neue Position oder Beziehung ist beispielsweise gefunden, scheinbar ist alles wieder normal. Doch es bleibt ein bitterer Beigeschmack, der Jahre anhalten kann.

Viele Dinge schwingen in solch einer Situation mit: Vielleicht hätte man sich tatsächlich verändern wollen, aber nicht jetzt und so. Man hatte sich den weiteren Lebensweg bereits ausgemalt. Nun haben andere entschieden und den Plan zunichte gemacht. Gefühle der Enttäuschung, Machtlosigkeit und Trauer bleiben vielfach, auch wenn die Krise äußerlich lange überwunden ist. Um Neuanfänge ohne diese Verbitterung soll es heute gehen.

Einer Zeit nachtrauern, die längst vorbei ist

Eine Chefreporterin musste mit Ende 40 das Society-Magazin verlassen, für das sie viele Jahre gearbeitet hatte. Zwar fand sie nach einiger Zeit eine neue Stelle als PR-Redakteurin, sogar an ihrem Wohnort und nicht schlechter bezahlt, aber sie empfand es als Abstieg. Sie ertappte sich dabei, wie sie immer wieder auf ihrem privaten Facebook-Account alte Fotos teilte, die sie mit prominenten Interviewpartnern zeigten – viele davon längst verstorben. Sie trauerte einer Zeit nach, die unwiderruflich vorbei war, sie aber noch immer festhielt.

Ein Auslandskorrespondent hatte die Millionenstadt, in der er lange gelebt und gearbeitet hatte, nach der Auflösung des dortigen Büros verlassen müssen. Er hatte Glück: Statt der Rückkehr nach Deutschland bot ihm seine Verlagsgruppe eine ähnliche Position in einer anderen Weltstadt an, die wegen Pensionierung frei wurde. Doch es war nicht mehr wie vorher: Er sollte weniger Reportagen und Interviews schreiben, sondern sollte vor allem aktuelle (und viele) Online-News liefern – für ihn Journalismus zweiter Wahl.

Auch über unerwartete Wechsel freuen lernen

Keiner kann realistisch erwarten, dass sein Leben ewig unverändert nach eigenem Willen weitergeht. Aber wie ist es möglich, einen Neuanfang ohne Verbitterung zu schaffen oder sich sogar darauf zu freuen, dass nun wieder ein neues Kapitel beginnt, auch wenn es anders ist als zunächst erwartet? Hier einige Ansätze, die dabei helfen können.

  • Selbstbestimmung: Je mehr eigene Entscheidungen Sie treffen, desto leichter wird Ihnen jede Veränderung fallen. Sie können selbst auswählen, wohin Sie wollen, und müssen nicht nur mit den Entscheidungen anderer leben. Diese Freiheit motiviert Sie zudem, denn es fühlt sich gut an, sein Leben innerhalb der Möglichkeiten selbst gestalten zu können.
  • Ganzheitlichkeit: Fast jede Veränderung beginnt mit nur einem Einzelaspekt Ihres Lebens. Beispiel: Sie werden in ein Ressort versetzt, für das Sie nie arbeiten wollten. Glauben Sie nicht, dass Sie nur diesen Punkt ändern können – „dann wird alles wieder wie vorher“. Je früher Sie akzeptieren, dass Sie Ihr Lebens insgesamt neu denken sollten, desto leichter geht es.
  • Ehrlichkeit: Pragmatische, gut organisierte Menschen wollen in einer Krise möglichst schnell das Problem gelöst sehen und wieder „wie vorher“ leben. Erlauben Sie sich hier mehr Ehrlichkeit gegenüber sich selbst: Verletzungen (Enttäuschung, Trauer, Wut) müssen raus. Erforschen und artikulieren Sie durch Reden oder Aufschreiben, was in Ihnen vorgeht.
  • Akzeptanz: Es sagt sich leicht dahin, dass alles einmal ein Ende hat – doch das ist die Realität des Lebens. Eine Option ist, das Ende einer Lebensphase zu fürchten und sich damit jeden Tag zu verderben. Eine andere ist, kommende Wechsel zu erwarten und gerade deshalb jeden Tag zu genießen, und zwar die Kleinigkeiten ebenso wie die Höhepunkte.
  • Geduld: Jeder Wechsel muss verarbeitet werden, und das geht nur Schritt für Schritt. Nach der Enttäuschung (sich als Opfer fühlen) kommt Wut (auf andere, die schuld waren), Trost (sich um sich selbst kümmern), Mitgefühl (anderen helfen wollen) – und dann erst der pragmatische Neuanfang. Nehmen Sie sich Zeit, jede dieser Phasen bewußt zu durchlaufen.

Eine überstandene Krise stellen sich manche wie einen Bruch vor, der nur äußerlich verheilt ist: Bei einem falschen Schritt ist der alte Schmerz wieder da. Dieses Bild zeigt in Wahrheit eine Krise, die noch nicht vorbei ist. Ein echter Neuanfang hinterlässt jemanden besser als vorher: Man hat etwas überstanden und ist dadurch stärker, ruhiger, zufriedener geworden, weil man sich, seine Fähigkeiten und seine Mitmenschen besser kennengelernt hat. Nehmen Sie Verbitterung daher also nicht als gegeben und unvermeidlich hin, sondern machen Sie den Schritt darüber hinaus.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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