Wie viel Karriere brauche ich für mein Glück?

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Soll ich das neue Jobangebot annehmen, auch wenn das bedeuten würde, dass ich meine Kinder wegen der vielen Dienstreisen weiterhin meist nur am Wochenende sehen kann? Wie lange soll ich in einer Position bleiben, die interessant und hervorragend bezahlt ist, mich aber körperlich und seelisch krank macht? Ist es peinlich, wenn ich als moderne Frau gar keine Lust auf Karriere habe, sondern mir Teilzeit mit viel Zeit für Kinder wünsche?

In Coachings kommen häufig derartige Fragen zur Sprache, die vordergründig berufliche Themen betreffen, etwa zu Karrierechancen und -wechseln. Eigentlich handelt es sich aber um spirituelle Fragen, nämlich zu Lebenssinn, größeren Zusammenhängen und Werten. Zwei Kategorien, die sich nicht wirklich gegeneinander aufrechnen lassen. An diesem Problem scheitern schnell auch die üblichen Auflistungen von Vor- und Nachteilen.

Sind es beispielsweise 500 Euro mehr Gehalt wert, den Partner an zwei Abenden pro Woche nicht mehr zu sehen, weil Kundentermine anstehen – oder vielleicht 1500 Euro? Wie viele Jahre ohne ausreichend Zeit für Sport und Freunde ist eine Beförderung wert? Natürlich lässt sich das nicht wirklich sagen, wird aber regelmäßig überlegt. Hier drei Kriterien, die Sie statt dessen bei derartigen Entscheidungen bedenken könnten.

Betrachten Sie die Wirkung auf Ihr gesamtes Leben

Berufliche Möglichkeiten werden oft erstaunlich isoliert betrachtet: Worum handelt es sich bei dem neuen Job, wie sind Firma, Gehalt, Chef und Kollegen? Bei Umzügen, nicht unüblich wegen der räumlichen Verteilung der Medienhäuser, kommen noch Überlegungen zu veränderten Mietkosten und den Folgen für Partner und Kinder dazu. Eine neue Position hat allerdings viel weitreichendere Konsequenzen, die oft vernachlässigt werden.

Versuchen Sie daher, eine Gesamtkostenrechnung aufzustellen, die alle Lebensbereiche umfasst. Was bringt Ihnen der neue Job, vor allem aber: Was kostet er Sie? Vieles relativiert sich dadurch: Der spannende und gut bezahlte Job hat möglicherweise Arbeitszeiten, die es Ihnen unmöglich machen, noch Sport zu machen oder regelmäßig Ihre Freunde zu sehen, schadet also langfristig Ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit. Lohnt sich das?

Auch verlorene Alternativen gehören zu den Kosten. Wer schon lange davon träumt, in Teilzeit zu gehen und sich eine nebenberufliche Selbständigkeit aufzubauen, verliert diese Option eventuell durch eine neue Stelle, die mehr Einsatz erfordern wird. Wer ewig in einer perspektivlosen Redaktion verharrt, verliert dagegen möglicherweise wertvolle Jahre, innerhalb derer er sich längst einen neuen Karriereweg hätte aufbauen können.

Entscheiden Sie, wieviel Zeit Sie sich geben wollen

Selbstverständlich gehört es zum Leben, gewisse Dinge einige Zeit aushalten zu müssen und auch zu können. Gut gemeinte Ratschläge wie „Lebe jeden Tag, als wäre er dein letzter“ oder „Was würdest du machen, wenn morgen Dein letzter Tag wäre?“ sind letztendlich unsinnig. Sie widersprechen den Wahrscheinlichkeiten und wären auch ein Argument gegen jede andere andere Art der Zukunftsplanung, beginnend z. B. mit der Krankenversicherung.

Gleichwohl ist es sinnvoll, sich die Endlichkeit des Lebens vor Augen zu führen. Den meisten Medienprofis über 40 ist das durch sehr konkrete Erfahrungen bereits bewusst. Oft gehört bei Führungskräften: „Bei meinem ersten Kind habe ich verpasst, wie es aufgewachsen ist, weil ich ständig in der Redaktion war. Jetzt soll mir das nicht nochmal passieren, die Zeit läuft.“ Überlegen Sie also, für welche Zeiträume Sie die aktuelle und nächste Phase planen.

Die individuellen Wünsche sind hier sehr verschieden. Da gibt es Ressortleiter, die sagen: „Bis zur Rente habe ich nur noch zwölf Jahre, die sitze ich aus, und danach lebe ich.“ Und Reporter, die scheinbar einen Traumjob haben, aber über ihren Arbeitgeber meinen: „Das halte ich keine drei Monate mehr aus!“ Wie lange Ihre persönliche Präferenz auch ist: Werden Sie konkret, täuschen Sie sich nicht selbst jahrelang mit „erst einmal…“

Seien Sie bereit, irgendwo einen Preis zu bezahlen

Coaching-Gespräche, bei denen es um einen beruflichen Wechsel geht, beginnen oft mit einer Kombination aus Maximalvorstellungen. Typisch: „Ich möchte mein aktuelles Gehalt behalten, aber weniger arbeiten und mehr Zeit für die Familie und mich selbst haben. Der Wohnort soll sich nicht verändern, weil wir die Wohnung haben. Die neue Firma sollte also bei uns in der Region sein, der Job spannend und mit einer echten Perspektive.“

Das ist menschlich völlig nachvollziehbar, vergisst aber, dass es sich hier um konkurrierende Ziele handelt: Je höher eine Position, desto eher wird man landes- oder sogar weltweit flexibel sein müssen. Je besser die Bezahlung, desto höher Verantwortung und Zeitaufwand. Ausnahmen mag es immer einmal geben, aber insgesamt sollten Sie bereit sein, irgendwo einen Preis zu bezahlen – man kann nicht gleichzeitig haben, was nicht zusammen passt.

Praktisch heißt das, seine Wunschliste zu einer Prioritätenliste umzuschreiben, die Kriterien also nach Wichtigkeit zu ordnen: Was muss sein, was wäre ganz schön zu haben, und was ist im Grunde bedeutungslos. Nicht selten stellt sich zum Beispiel heraus, dass das hohe Einkommen zwar aus Ehrgeiz heraus weiterhin gut wäre, aber die eigene Gesundheit und die Zukunft der Ehe entscheidend sind. Finanziell käme man auch mit weniger aus.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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