Doch selbstständig machen? Diese 3 Fragen helfen Medienprofis dabei

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Immer weniger klassische Journalisten-Stellen, aber auch kein Interesse, Pressesprecher zu werden? Dieser Zwiespalt lässt viele Medienprofis überlegen, sich dann doch selbstständig zu machen. Fragen, die jeder in dieser Phase klären sollte. 

Immer weniger klassische Journalisten-Stellen, aber auch kein Interesse, in die PR oder ins Content-Marketing zu wechseln? Vielen Medienprofis scheint es angesichts dieser Optionen doch erwägenswert, eine Selbstständigkeit anzustreben. Fast immer trotz großer Zweifel: Der Verzicht auf ein berechenbares, oft nicht schlechtes Gehalt erscheint wegen der üblichen familiären Verpflichtungen und unsicheren Wirtschaftslage als ein enormes Risiko. Zudem fehlt häufig eine genaue Geschäftsidee und ein konkreter Plan, sie umzusetzen.

Noch vor 5-10 Jahren war es recht leicht, sich ohne größere Vorplanung z. B. als freier Autor, Redakteur oder Textchef selbstständig zu machen, Berater für die Magazin- oder Formatentwicklung zu werden oder ein kleines PR-Büro zu starten.  Nicht selten ließ sich die Angestellten-Tätigkeit fast unverändert in eine freie Mitarbeit überführen. Inzwischen haben fast alle Medienhäuser ihre Budgets für freie Mitarbeiter drastisch gekürzt, teilweise ganz gestrichen. Wegen des fortlaufenden Stellenabbaus nimmt die Konkurrenz ständig zu.

Das führt zu einem enormen Preisverfall. Es gibt renommierte Redaktionen, die 50 Euro für einen Artikel inklusive Fotos oder einen Videobeitrag anbieten – und sich dafür noch die unbegrenzte Nutzung einräumen lassen. Manchem freien Mitarbeiter scheint es wie ein Hohn, dass parallel deutlich höhere Honorare für Leserreporter ausgeschrieben werden. Einige sind deswegen sogar dazu übergegangen, ihr Material lieber auf diesem Wege – als „Leser” statt als Profi – anzubieten. Das geht allerdings nur gelegentlich.

Markt hat sich deutlich professionalisiert

Parallel hat sich der Markt professionalisiert. Für viele Auftraggeber ist es heute kaum noch denkbar, Material einzukaufen, dessen Erfolg sich nicht messen lässt oder sogar zu einem nachweisbaren Umsatzwachstum führt (z. B., indem es benutzt wird, um Abos oder Produkte zu bewerben). „Ich habe einen tollen Text geschrieben”, ist heute zu wenig. Die Fragen sind: Wer ist die Zielgruppe, lassen sich die Kosten wieder einspielen? Derart auf den Prüfstand gestellt zu werden, empfindet mancher Medienprofi fast als demütigend.

Gleichzeitig wird Originalität bei der Geschäftsidee überbewertet. Häufig blockieren sich Medienprofis unnötig mit dem Gedanken, dass es doch „alles schon gibt”. Das ist in einer entwickelten Wirtschaft der Normalfall. Es gibt auch schon sehr viele Restaurants, Friseure und Modeläden, trotzdem öffnen immer neue. Höchst selten starten jemand mit einem nie dagewesenen Angebot. Fast immer geht es darum, bestehende Geschäftsideen mit einem eigenen Dreh (Nische) zu versehen, sie weiterzuentwickeln oder zu ergänzen.

Nicht nur an Mode, Reise und Gesundheit denken

Dabei hilft es wenig, schnell auf den jeweils aktuellen Trend – gestern Nachhaltigkeit, heute Diversity – aufspringen zu wollen, wenn man nicht tatsächlich in diesem Bereich spezialisiert ist. Heutige Kunden erwarten durchaus mehr als ein paar gefällige Sprüche, nämlich auch in derartigen Bereichen ein echtes Profil (Ausbildung, Fachwissen, Erfahrung). Eine Banalität, aber auch unter Existenzgründern zu wenig praktiziert: Sich sehr genau umhören, welche Probleme potentielle Kunden wirklich haben, die sie allein nicht lösen können.

Viele Journalisten, die sich selbstständig machen, gehen thematisch in den Gesundheits- oder Konsumgüterbereich (z. B. Mode, Reisen), weil das ihren eigenen Alltagserfahrung entspricht und damit naheliegend scheint. Das erlaubt allerdings oft nur die wenig attraktive Rolle als Subunternehmer einer größeren PR-Agentur, etwa das Anpassen bereits vorbereiteter Pressetexte für lokale Medien. Viel gesucht werden dagegen oft sehr spezielle Profile, etwa Texter für wissenschaftliche oder technische Themen oder Kombinationen aus technischen und redaktionellen Aufgaben (z. B. Plattform-Management).

Wenn du mit dem Gedanken spielst, dich selbstständig zu machen, solltest du schnell über die Phase allgemeiner Überlegungen („Ich könnte mir vorstellen, auch frei zu arbeiten”) hinwegkommen. Werde bei diesen Fragen für dich so spezifisch wie möglich: 

  • Was willst du anbieten? Das ist dein Produkt. Beschreibe deine Formate, Leistungen und Preise so genau wie möglich – auch, wo du aussteigst. Beispiel: Wenn du PR -Texte schreiben willst, übernimmst du auch das Anbieten an Redaktionen, eventuelle Anpassungen, die Auswertung der Abdrucke?
  • Wer soll das kaufen? Das ist deine Kundengruppe. Hier solltest du Branche, Region und eventuell sogar konkrete Unternehmen und Abteilungen (z. B. Pressestelle) definieren. Es bewahrt dich vor großen Enttäuschungen, wenn du gleichzeitig früh klärst, ob deine Wunschgruppe überhaupt zahlungsfähig und -willig ist.
  • Warum sollte man dich buchen? Das ist dein Profil. Selbstverständlich wird es viele ähnliche Anbieter geben. Arbeite deshalb genau heraus, was dich von anderen abhebt. Ist es deine Ausbildung und Erfahrung, deine persönliche Geschichte? Je spezieller du auftrittst, desto leichter wird dir dieser Punkt fallen.

Ein einfacher Businessplan auf einer A4-Seite genügt für den Start oft schon. Wenn du o.g. Fragen für dich beantwortet hast, weisst du auch, wo und wie du potentielle Kunden ansprechen kannst. Denn du wirst merken, dass einfache E-Mails an frühere Kollegen oder ein Facebook-Post mit der Bitte um Aufträge bald unbeantwortet bleiben. Dein Angebot muss inhaltlich überzeugen, und eventuell ist eine Fachkonferenz oder Messe die bessere Gelegenheit für dich – oder auch ein professioneller, gezielter Social-Media-Auftritt.  

Viele Medienprofis, die vorher klassische Redakteure oder Ressortleiter waren, haben sich eindrucksvolle neue Karrieren aufgebaut. Einige haben inzwischen Firmen gegründet und längst selbst Mitarbeiter in zwei- bis dreistelliger Zahl. Dahinter steckt kein geheimnisvolles Talent, sondern die Bereitschaft, die intellektuelle Arbeit zu leisten: Sich genau damit auseinander zu setzen, was andere wirklich brauchen könnten. Das ist die Basis jeder tragfähigen Selbstständigkeit. Das darf dich  allerdings ermutigen, wenn du gerade in dieser Phase sind: Wenn andere das geschafft haben, kannst du das auch.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf kress.de

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