Im Job und privat: Wie aktiv bist du in deinen Beziehungen?

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Trittst du eher zögerlich auf – oder bist du so entschieden und schnell, dass andere nicht mitkommen? Ein angemessenes Durchsetzungsvermögen ist entscheidend für den beruflichen und persönlichen Erfolg. Hier sind 3 Strategien für deine Beziehungen.

Wenn man in einer Redaktionskonferenz sitzt, kann man das unterschiedlichste Verhalten beobachten. Da gibt es jemanden, der grundsätzlich immer etwas sagt. Nicht selten schaut der Chefredakteur schon automatisch zuerst zu ihm, damit die Diskussion anläuft. Andere wagen sich immer erst vor, wenn jemand vor ihnen gesprochen hat. Das fühlt sich sicherer an. Dann gibt es welche, die ein zaghaftes Sätzchen einwerfen, aber schon in der Mitte von selbst abbrechen. Oder gar nichts sagen und sich anschließend über sich selbst ärgern.

Ein angemessenes Durchsetzungsvermögen ist entscheidend für den beruflichen und persönlichen Erfolg: Beziehungen kraftvoll gestalten und sich einbringen. Bewusst und klar mit anderen interagieren, etwa mit Vorgesetzten, Kollegen, Kunden, Partnern, Verwandten oder Freunden. Das Wörtchen „angemessen” deutet darauf hin, dass es dabei nicht um Aggressivität oder übergroße Direktheit geht. Kaum jemand ist freiwillig für längere Zeit mit einem aggressiven Menschen zusammen. Mit jemandem, der verunsichert oder Angst macht.

Ziel ist eine Balance aus Geben und Nehmen

Aber auch ein schwaches Gegenüber ist einem emotional gesunden Menschen nicht angenehm. Es fällt schwer, so Respekt zu entwickeln und auf Augenhöhe miteinander zu reden. Vieles muss man dann mit sich allein ausmachen und selbst erledigen, was im Berufs- wie Privatleben problematisch ist. Das Ziel ist Ausgewogenheit: Eigene Spielräume nutzen und der anderen Person ihre zugestehen. Eine Balance aus Geben und Nehmen. Sie ist nicht in jedem Moment möglich und notwendig, aber in der Summe auf jeden Fall.

Hier siehst die drei Möglichkeiten, das eigene Durchsetzungsvermögen zu nutzen – mit den entsprechenden Folgen für dich selbst. Wo erkennst du dich wieder? Falls du dein Herangehen ändern willst, findest du dafür auch jeweils einen Strategie-Tipp.

Zögerlich: Abwarten, bis der andere entschieden hat

Du lässt mehrheitlich den anderen entscheiden. Manchmal bist du ganz froh darüber, dass du dich nicht mit der Verantwortung belasten musst. Gleichzeitig ärgert und frustriert es dich, dass du gar nicht oder nur pro forma gefragt wirst. Die Entscheidung steht schon fest oder fällt ohne Rücksicht auf dein Meinung. Typische Sätze, die du sagst, klingen passiv und resigniert: „Na, wenn du meinst”, „Mach nur, wie du denkst”, „Mich fragt ja sowieso keiner”. Häufig bleibst du ganz stumm, weil es ja „sowieso egal” ist.

Der Effekt auf Sie: Anfangs fühlt es sich gut an, „geführt” zu werden – vor allem, wenn du tatsächlich noch unsicher oder in bestimmten Bereichen unerfahren bist. Langfristig fühlst du dich entmündigt. Du traust dir sogar weniger zu, weil dir fortlaufend Übung und Bestätigung fehlen. Beste Strategie: Stelle fest, wo du dazulernen musst, und informiere dich. Nutze ansonsten jede Chance, für dich selbst zu sprechen (z. B. in Meetings melden) und zu entscheiden. Keine Angst, jeder Versuch übt und stärkt dich!

Übergriffig: Immer gleich für zwei entscheiden

Du entscheidest häufig ungefragt für andere mit. Meist bist du sicher, es sowieso besser zu wissen, weil du z.B. tatsächlich erfahrener bist. Zudem drängen Termine oder andere Aufgaben. Du wolltest dich deshalb nicht mit ewigen Diskussionen aufhalten und noch mehr Zeit verlieren. Oft ertappst du dich dabei, dass du schon beim Zuhören ungeduldig wirst. Typische Sätze, die du sagst, klingen drängend und leicht genervt: „Ich weiß schon”, „Lass mal, ich mach das”, „Ich habe jetzt keine Zeit, wir reden später”.

Der Effekt auf dich: Zunächst fühlt es sich schneller und einfacher an, möglichst viel gleich selbst zu entscheiden und zu erledigen. Langfristig erziehst du damit alle anderen dazu, immer mehr dir zu überlassen, weil du es ja „sowieso besser weisst”. Bald bist du völlig unter Kleinkram begraben. Beste Strategie: Delegiere Entscheidungen und Aufgaben. Lass gleichzeitig zu, dass etwas anders umgesetzt wird, als du es selbst getan hättest. Das ermutigt und stärkt die anderen und entlastet mittelfristig dich.

Ausgeglichen: Gemeinsam an einer Sache

Ihr entscheidet nicht alles und jedes Detail gemeinsam. Das wäre viel zu umständlich und zeitraubend. Ihr seid euch aber in den grundsätzlichen Fragen einig und können sich die Details deshalb wechselseitig überlassen. Nicht selten wirst du dabei davon überrascht, dass der andere eine Lösung gefunden hat, auf die du selbst gar nicht gekommen wärst. Typische Sätze, die du sagst, klingen interessiert und ermutigend: „Wie würdest du es finden, wenn”, „Ich habe eine Idee. Was meinst du dazu”, “Wollen wir nicht mal…?”

Der Effekt auf dich: Du hast das angenehme Gefühl, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten. Da ihr euch in den Grundsatzfragen einig seid, gibt es wenig Anlass zu Streit oder Mikromanagement. Ihr empfindet eure Diskussionen als anregend und kreativ. Vieles geht ihr zwar unterschiedlich an, respektiert euch aber gerade dafür. Beste Strategie: Nehmt euch die Zeit, regelmäßig eure Überzeugungen und langfristigen Ziele zu vergleichen. Prüft dabei auch, ob die Balance (z. B. Arbeitsbelastung) für beide weiterhin stimmt.

Ausgeglichene Beziehungen sind eine Lernerfahrung. Mancher ist damit aufgewachsen, dass er besser erst einmal nur zuhört und abwartet, ehe er selbst aktiv ist. Er muss lernen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen und selbstsicherer zu werden. Wer sich bisher als bestimmender Macher gesehen hat, muss lernen, die Souveränität seines Gegenübers zu akzeptieren. Dieser kann sich z. B. auch dafür entscheiden, nicht mitzumachen. Er ist dann jemand, von dem man sich respektvoll trennen muss, weil das gemeinsame Ziel fehlt. Jede Beziehung entwickelt sich, und beide Seiten haben ihre eigene Verantwortung dafür.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf kress.de

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