Medienprofis mit Nebenjob – warum sich das oft lohnt

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Immer wieder liest man die leicht vorwurfsvolle Ermahnung an Journalisten, sich doch bitte auch mit der wirtschaftlichen Seite ihrer Redaktion zu beschäftigen – meist vorgebracht von Managern oder Teamleitern, die die Monetarisierung vorantreiben sollen. Was genau dafür erwartet wird, bleibt meist unklar. Projekte und Ideenwettbewerbe in diesem Bereich laufen schon seit Jahren, ebenso Kooperationen mit Anzeigenkunden und Sponsoren. Oft wird dann doch nur dazu angehalten, die eigenen Artikel auf Social Media zu streuen, um ihre Reichweite zu erhöhen. (Einige Manager raten ihren Mitarbeitern auch exakt das Gegenteil, weil man die US-Plattformen nicht noch weiter mit Gratis-Inhalten aufwerten wolle.)

Im Einzelfall mag der Vorwurf noch zutreffen. Doch eine beachtliche Anzahl von angestellten Journalisten hat längst für sich entdeckt, dass es Spaß macht, unternehmerisch zu denken und zu arbeiten: Diese Medienprofis haben sich für eine nebenberufliche Selbstständigkeit entschieden, sind also Unternehmer im Nebenjob. Ohne größeres Risiko – der Hauptjob sichert das Startkapital und laufende Einkommen – lässt sich vieles ausprobieren und Neues lernen. Dazu ist der zusätzliche Verdienst hilfreich. Nicht zuletzt erhöht der Nebenjob die persönliche Freiheit und Unabhängigkeit: Läuft er gut genug, bietet er nach einiger Zeit die Chance, ihn auf Wunsch und ohne größeres Umstellungen zum Hauptjob zu machen.

Freie denken immer schon wie Unternehmer

Für Freie war unternehmerisches Denken immer bereits selbstverständlich: Wie wird meine Leistung nachgefragt und bezahlt, was könnte ich neu oder anders anbieten, um gefragter zu sein? Nicht anders ist es in einem Unternehmer-Nebenjob, für den sich exakt dieselben interessante Grundfragen stellen. Selbst in der Zeit der “Medienkrise” gibt es deshalb Journalisten, die gut dotierte Arbeitsverträge ablehnen oder kündigen, um unabhängiger und selbstbestimmter zu arbeiten (z. B. von zu Hause aus mit mehr Zeit für Partner und Kinder). Manchmal zwar verbunden mit finanziellen Abstrichen, aber durchaus nicht immer.

Zu den traditionellen Geschäftsmodellen von Journalisten zählen Bücher, Workshops und Vorträge. In den 2000ern sind Blogs und Online-Magazine hinzugekommen, inhaltlich oft auf ein Lifestyle-Thema (z. B. Reise, Familie) spezialisiert und mit einem Anzeigen- oder Sponsoren-Modell. Aber selbst ein kleiner Laden oder Online-Versand, meist zusammen mit Verwandten oder Freunden betrieben, ist nebenbei möglich. Hier lässt sich im kleinen Rahmen vielfach deutlich mehr ausprobieren als beim eigentlichen Arbeitgeber, wo eine gute Idee dann doch oft in einer Projektgruppe versackt und nie umgesetzt wird.

Vorgesetzter kann nicht einfach so ablehnen

Arbeitsrechtlich lässt sich grob sagen, dass Nebenjobs erlaubt sind, so lange sie keine Konkurrenz für den Arbeitgeber darstellen, der Mitarbeiter sich nicht völlig erschöpft (z. B. durch zusätzliche Nachtarbeit) und insgesamt die gesetzlich erlaubte Gesamtarbeitszeit (48 Stunden pro Woche, kurzfristig 60 Stunden) nicht überschritten wird. Üblicherweise ist im Arbeitsvertrag vereinbart, dass ein Nebenjob genehmigt oder zumindest gemeldet werden muss. Allerdings entscheidet hier nicht der Vorgesetzte nach privatem Gutdünken. Er müsste ein Verbot so stichhaltig begründen, dass es im Zweifel vor einem Arbeitsgericht Bestand hätte. Hier kann man also durchaus selbstbewusst auftreten. Im Zweifel immer empfehlenswert: Einen Anwalt konsultieren – die Investition in eine Beratung lohnt sich.

Das finanzielle Risiko lässt sich meist klein halten. Viele Medienprofis können eine Webseite und Marketingmaterialien wie Broschüren größtenteils selbst erstellen. Ein wenig Werbung lässt sich oft schon kostenlos über Social Media oder einen Hinweis an den Kollegen- und Freundeskreis machen. Fast immer wird als Einzelunternehmer begonnen, später sind GbR oder GmbH mögliche Optionen. Hier kann sich eine Gründerberatung bewähren, die in vielen Städten kostenlos angeboten wird, insbesondere für einige Grundinformationen zu eventuell notwendigen Genehmigungen oder Anmeldungen sowie Abrechnung und Steuer.

Unternehmer im Nebenjob bietet die Gelegenheit, seine zusätzliche Arbeitszeit ganz nach Lust und Interesse zu gestalten. Einer schreibt vielleicht nur einen zusätzlichen Artikel für eine andere Publikation pro Monat, der andere hat seinen Feierabend voller Termine, weil die Nachfrage da ist und er Freude daran hat. In jedem Fall ist es empfehlenswert, mutig zu sein und es, wenn gewollt, einfach einmal auszuprobieren. Wenn es nicht (mehr) passt, lässt sich solch ein Abenteuer nämlich ebenso schnell und einfach wieder beenden.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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