Nach der Abfindung: 5 Phasen für einen echten Neuanfang

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Wenn der Arbeitgeber eine Abfindungsvereinbarung anbietet, ist das eine besondere Gelegenheit für Medienprofis. Endlich einmal Zeit und Geld, um sich Gedanken über einen echten Neuanfang zu machen. 5 Phasen sind dafür wichtig und auch notwendig.

Durch eine Umstrukturierung oder Stellenabbau wird für viele Medienprofis ein weit verbreiteter Angestelltentraum wahr: Der Arbeitgeber bietet ein Abfindungspaket an, wenn sie einer Vertragsauflösung zustimmen. Beispiel: Ein volles Jahresgehalt, dazu drei bis sechs Monate Gehaltsfortzahlung bei vorzeitiger Freistellung plus ein großzügiges Budget für ein Coaching oder eine Weiterbildung. Auf einmal kommt zusammen, was vorher nie möglich war: Zeit und Geld, um sich tatsächlich einmal Gedanken über die eigene Zukunft zu machen – vielleicht sogar seinem ganzen Leben eine neue Richtung zu geben.

Oft geschieht jedoch etwas anderes. Erst eine ausgedehnte Reise in der Annahme, dass der örtliche Abstand innere Ruhe und Klarheit bringen würde. Dabei stellt man fest, dass es ohne Arbeit und Kollegen schnell langweilig wird. Dann die Wohnung renovieren und alles aufarbeiten, was über die Jahre liegen geblieben ist. Bald delegiert der Partner die alltäglichen Erledigungen ab („Du hast ja jetzt Zeit”), nur um später Vorwürfe zu machen, dass sich nichts tut („Du lässt dich ja total hängen!”). Schnell sind anderthalb Jahre vorbei, das Geld weitgehend verbraucht, zumal ein Großteil für die Steuern abgezogen wurde. Aber außer ein paar Ideen und halbherzigen Bewerbungen gibt’s noch immer kein Plan.

Professionelle Begleitung für den Übergang

Das ist eine verschenkte Chance. Sie führt oft dazu, dass man schließlich in einer Panikreaktion den nächstmöglichen Job annimmt und sich bald wieder über den Stress, den nächsten Chef und die neue Firma ärgert. Gerade ein Outplacement-Coaching, also die professionelle Begleitung aus einem Job in den nächsten, bietet die seltene Gelegenheit für einen Neuanfang. Selbst habe ich viele Medienprofis bei diesem Übergang in eine neue Lebensphase begleitet. Fünf Phasen sind dabei zu bewältigen:

  1. Vom alten Arbeitgeber lösen: Es gibt kaum einen Medienprofi, der nicht noch ganz in die Probleme des bisherigen Jobs verstrickt wäre. Was der Chefredakteur falsch gemacht hat, welches Projekt hätte vorangetrieben werden müssen, wo man selbst unterschätzt wurde. Aber es ist Zeit, das – auch unerledigt – hinter sich zu lassen.
  2. Eigene Gefühle ordnen: Nach der Freude über das Ende des schwierigen Jobs kommen oft viele Emotionen hoch. Wut über vermeintlich unfaire Behandlung, Enttäuschung über ein empfundenes Scheitern, Sorge vor der Zukunft, Langeweile, Einsamkeit. Es befreit, all das einmal auszusprechen und zu reflektieren.
  3. Neue Wegen durchdenken: Das Risiko ist groß, beim nächsten Job in der gleichen Situation wie vorher zu landen. Als Medienprofi mit Berufserfahrung bekommt man ähnliche Jobs wie den bisherigen angeboten, auch das eigene Netzwerk führt in eine bestimmte Richtung. Die Frage hier ist: Was soll bleiben, was anders werden?
  4. Praktische Umsetzung planen: Die Suche nach einem neuen Job, gar ein Karriere- oder Branchenwechsel brauchen mehr als eine vage Idee. Ein neues Berufsprofil oder ein Businessplan sind zu schreiben, viele Details auszuarbeiten. Das ist eine Umstellung für alle, die vieles davon jahrelang ihren Chefs überlassen konnten.
  5. Motiviert bleiben: Sehr schnell zeigt sich, dass es „nicht so einfach ist”. Gute Jobs sind rar und umkämpft, Bewerbungsgespräche können sich über Monate hinziehen. Selbst gute Geschäftsideen sind nicht vom Start weg erfolgreich. In dieser Phase geht es um Ermutigung und fachkundigen Beistand, um motiviert zu bleiben.

So lange der bisherige Arbeitsvertrag noch läuft, ist es oft gar nicht erlaubt, woanders oder auch selbstständig zu arbeiten. Manche Aufhebungsverträge beinhalten die Regelung, dass eventuelle Verdienste mit der Gehaltsfortzahlung verrechnet würden. Auch das bisherige Wettbewerbsverbot (Verbot, für ein konkurrierendes Medium zu arbeiten) gilt noch. Trotzdem ist es sinnvoll, die freie Zeit für sich selbst zu begrenzen. Beispiel: Sechs Wochen zählen als Urlaub, dann wird wieder ernsthaft gearbeitet. Sonst schleicht sich bald ein Alltagsrhythmus aus Ausschlafen, Kaffeetrinken und Herumspielen auf Social Media ein. Woche für Woche vergeht, ohne dass sich wirklich etwas bewegt. Man wird eher wieder träger und müder.

Ein Outplacement-Coaching kann mit regulären Gesprächen gestaltet werden. Eine schöne Variante, oft nur unter diesen Umständen möglich, ist eine gestaltete Auszeit (meist 1-3 Tage) mit dem Coach. Gelegentlich besuchen mich Klienten in Zürich, und wir arbeiten in einer schönen Umgebung – am See, bei einer Bergwanderung – in mehreren Sessions an der beruflichen und privaten Lebensplanung. So ein „VIP-Retreat” ist klar ein Luxus und führt absichtlich für eine Zeit aus dem regulären Alltag und Umfeld heraus. Gleichzeitig ist die Zeit strukturiert und produktiv genutzt, und führt z. B. zu einem klaren schriftlichen Plan für die eigene Zukunft. So bleibt es nicht bei der Idee, sondern sie führt auch zu einer neuen Realität.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf kresss.de

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