So machen sich Medienprofis unabhängiger von den Meinungen anderer

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Du hast neue berufliche Pläne, aber deine Freunde raten ab. Du willst den Job wechseln, aber dein Partner ist dagegen. Vielen Medienprofis fällt es schwer, sich von den Meinungen anderer frei zu machen. Ein Artikel über Schritte zu mehr persönlicher Unabhängigkeit.

Eine junge, bereits früh erfolgreiche Reporterin hatte ein Angebot erhalten, von dem alle ihre Volontärskollegen träumten: Eines der renommiertesten Magazine Deutschlands bot ihr eine gut bezahlte Festanstellung an. Ihre Eltern und Freunde beglückwünschten sie. Doch sie zögerte: Sie fühlte sich unwohl bei dem Gedanken, sich in einen riesigen Redaktionsapparat einfügen zu müssen. Zudem wollte sie nicht in der Großstadt leben, in der das Magazin seinen Sitz hatte, sondern nahe der Natur. „Diese Chance kannst du doch nicht wegwerfen”, hörte sie von allen Seiten und war zunehmend verunsichert. War sie dabei, einen kapitalen Fehler zu machen?

Der langjährige Redakteur einer Regionalzeitung überlegte, sich woanders zu bewerben. Er war seit mehr als 15 Jahren an derselben Stelle, berichtete über die immer gleichen Themen und Protagonisten. Weder an eine Beförderung noch an eine Gehaltserhöhung war zu denken. Mit Mitte 40 fühlte er sich noch zu jung, um auf die Rente zu warten. Aber gleichzeitig zu alt, um weitere Lebensjahre mit Zögern verlieren. Seine Frau fand schon den Gedanken daran unverantwortlich. Sie wies ihn darauf hin, dass sein sicherer Vertrag die Familie finanziell trug, sie zwei Kinder und ein nicht abbezahltes Haus hätten. Waren seine Wünsche leichtsinnig?

Mit der Erfahrung relativiert sich vieles

Für die meisten Medienprofis geht es in einem Coaching anfangs vor allem darum, sich erst einmal darüber klar zu werden, was sie nun eigentlich wollen. Das ist vor allem der Fall, wenn das Naheliegende bereits erreicht ist. Wer nach einer freien Mitarbeit endlich seinen Vertrag hat, vergleicht die Vor- und Nachteile beider Lebensmodelle aus eigener Erfahrung. Wer seine ersten Beförderungen hinter sich hat, beurteilt „Karriere” differenzierter: Gern, aber nicht zu jedem Preis. Ein großer Schritt dabei ist, sich von den Erwartungen und Empfehlungen anderer zu befreien. Doch das stellt sich häufig als schwieriger heraus, als man erwartet hätte.

Bei grundsätzlichen Diskussionen ist es leicht, abstrakt von „der Gesellschaft“ zu  sprechen oder selbst auf „die Medien“ zu schimpfen, etwa wegen gewisse Stereotypen in Magazinen. Doch in Wahrheit hat man es mit konkreten, durchaus wohlmeinenden Menschen zu tun: Mit den eigenen Eltern, dem Partner, Freunden, Mentoren, Kollegen. Insbesondere Angehörige mögen selbst zwar nicht in der Medienbranche arbeiten, äußern aber trotzdem gern ihre Meinung – erkennbar aus echter Liebe und Fürsorge. Gleichwohl passen deren Ratschläge nicht zu einem oder liegen ganz daneben. Aber es fällt meist wesentlich schwerer, sie ungerührt beiseite zu schieben.

Ein häufiges Dilemma im persönlichen Bereich

Dieses Dilemma ist so häufig, dass ich ein ganzes Buch darüber geschrieben habe. Aus meiner Sicht ist diese Ablösung ein Teil eines späten Erwachsenwerdens: Sich Meinungen anhören zu können, sie zu überdenken, aber dann ohne Drama oder ewigen inneren Zwiespalt auch anders zu entscheiden – „Du bist nicht ich, und das ist okay.“ Gleichzeitig auch bereit und in der Lage zu sein, die Konsequenzen zu tragen. Beispiel: Du hast ein gutes Job-Angebot. Dein Ressortleiter, mit dem du auch befreundet bist, spricht dagegen – vor allem, weil er dich nicht als Mitarbeiter verlieren will. Du gehst trotzdem, und es kann sein, dass die Freundschaft darunter leidet.

Wie entzieht man sich dem ganz normalen Gruppen- und Konformismus-Druck innerhalb seines persönlichen Umfeldes, um selbstbestimmte Entscheidungen treffen zu können? Es ist vor allem eine Sache der inneren Einstellung. Diese Schritte können dir dabei helfen:

  1. Erkenne an, dass Interessenkonflikte selbst im engsten Kreis (z. B. mit Partner, Eltern) ganz normal sind. Sie sind unabhängige Individuen mit eigenen Vorstellungen.
  2. Sehe, dass diese Meinungsäußerungen wenig mit dir zu tun haben.  Sie verraten dir vor allem etwas über die Wünsche, Sorgen und Ängste deines Gegenübers.
  3. Gebe den aktuellen Äußerungen der anderen nur ein begrenztes Gewicht. Sie werden ihre Ansichten immer wieder verändern, je nachdem, wie die Lage später ist.
  4. Höre dir Meinungen nicht einfach nur an oder widerspreche ihnen. Stellen offene Fragen. Das nimmt den Gesprächen die Schärfe, und du erfährst Hintergründe.
  5. Freunde dich mit dem Gedanken an, dass sich gewisse Konflikte nicht lösen lassen und das auch nicht notwendig ist. Vieles muss nicht ewig ausdiskutiert werden.
  6. Erkenne, dass du schlussendlich immer selbst die Konsequenzen tragen wirst. Es ist daher nur sinnvoll, dass du dir die finale Entscheidung vorbehältst.
  7. Wenn du dir Hilfe oder Unterstützung wünschst, verhandle konkret: Was wirst du tun, was wünschst du dir? Sei aber bereit, zunächst allein voranzugehen.

Vertraue grundsätzlich deiner Intuition („Bauchgefühl”), auch wenn einige Fakten zunächst gegen eine geplante Entscheidung zu sprechen scheinen. Meist kennst du den Weg, der zu dir passen würde, bereits. Deine Intuition weist dich darauf hin. Die sachlichen Gründe, die dagegen sprechen, sind wertvolle Hinweise auf echte oder vermutete Hindernisse. Diese solltest du prüfen, hinterfragen und danach ordnen, welche Aufgaben sich darauf für dich ergeben. Was muss erledigt, was abgewartet oder gelöst werden? Langfristig werden sie dich nicht aufhalten, wenn deine Bestimmung dich langfristig erkennbar in eine bestimmte Richtung führt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf kress.de

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