Wären Sie bereit, sich jetzt neu zu bewerben?

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Der Chefredakteur eines Stadtmagazins war zum monatlichen “Jour fix” mit seinem Verleger eingeladen. Doch am Tisch saß unangekündigt auch die Personalleiterin und eröffnete ihm, dass man sich von ihm trennen wolle – mit sofortiger Wirkung. Die langjährige Layouterin eines Newsrooms wurde nachmittags, mitten in der Produktion, in die Personalabteilung gebeten. Sie wisse ja “schon länger”, wurde ihr dort völlig überraschend eröffnet, dass es mit ihr “immer wieder Probleme” gebe. Ob sie nun, da der Verlag sowieso wieder Stellen streichen müsse, nicht besser einen Aufhebungsvertrag unterschreiben wolle?

Wenn es darum geht, Stellen abzubauen, sind viele Medienhäuser inzwischen routiniert. Der Sozialplan steht, für Abfindungen sind feste Sätze mit dem Betriebsrat ausgehandelt, und eine gewisse Unsentimentalität prägt die Gespräche auf beiden Seiten. Man hat damit gerechnet, nun ist es eben so weit. Nach dem ersten Schreck stellt sich für Arbeitnehmer allerdings schnell eine Frage: Wie geht es nun weiter? Gerade langjährig angestellte Journalisten haben oft wenig Übung mit Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen. Oft sind weder die notwendigen Unterlagen vorbereitet noch überhaupt klar, was notwendig oder hilfreich wäre. Hier eine praktische Checkliste, die Ihnen im Notfall viel Stress erspart.

1. LinkedIn-Profil ausfüllen und Job-App installieren

Richten Sie sich, wenn noch nicht geschehen, ein Profil bei LinkedIn ein (Xing auf Wunsch zusätzlich). Füllen Sie die beruflichen Stationen sorgfältig aus und beschreiben Sie, was sie jeweils genau gemacht haben. LinkedIn nutzt diese Stichworte, um Ihnen automatisch Stellenanzeigen vorzuschlagen, auf die Sie sich gleich via LinkedIn bewerben können. Tipp: Zusätzlich die spezielle Jobsuche-App von LinkedIn (iOS oder Android) herunterladen, die ebenfalls automatisch für Sie sucht und passende Angebote aufs Handy meldet.

2. Professionelle Fotos – und nicht nur Passbilder

Kümmern Sie sich um aktuelle, professionelle Fotos – sowohl für Ihre Social-Media-Profile wie den Lebenslauf und weitere Zwecke. Wenn Sie in einer Redaktion arbeiten, können Sie vielleicht einen befreundeten Fotografen darum bitten oder privat engagieren. Oft sind die Ergebnisse besser, als wenn sie in ein Fotostudio gehen. Gerade, wenn Sie auch eine eigene Webseite planen, benötigen Sie größer aufgefasste Motive als nur Passbilder.

3. Job-Newsletter für Medienprofis abonnieren

Tragen Sie sich in die wichtigsten Job-Newsletter ein, die Ihnen – je nach Anbieter – teilweise täglich eine neue Auswahl an offenen Stellen aus Medien, PR und Marketing automatisch zusammenstellen und senden. Für Medienprofis bieten sich insbesondere newsroom.de an, und in der Schweiz medienjobs.ch. Aber auch auf allgemeinen Plattformen wie stepstone.de können Sie nach Ihren Kriterien automatisch erstellte Angebote abonnieren.

4. Kleine Webseite als Visitenkarte im Netz

Es ist nicht zwingend, aber im Jahr 2019 eigentlich zu erwarten, dass Sie zumindest einen minimalen eigenen Webauftritt haben: Eine eigene Seite, in der Sie Ihr Profil beschreiben, was Sie bisher gemacht haben (am besten mit Arbeitsproben) und was Sie anbieten. Achten Sie beim Schreiben auf die Perspektive: Es geht nicht darum, sich selbst zu portraitieren – sondern zu beschreiben, was Sie für potentielle Arbeitgeber tun können.

Die Kosten und der Aufwand für eine eigene Webseite sind heutzutage minimal: Etwa 10 Euro jährlich für die eigene Domain, etwa ihren Namen, und etwa 5 Euro pro Monat für das Hosting (Speicherung der Webseite, damit sie im Netz abgerufen werden kann). Die nötige Software, meist WordPress, ist kostenlos. Ein gutes Design (“Theme”) erhalten Sie für maximal ca. 50 Euro. Benötigen Sie Hilfe dabei, kümmern Sie sich früh darum.

5. Eigene Artikel rechtzeitig digital archivieren

Eine wichtige Vorbereitung, gerade bei langjähriger journalistischer Tätigkeit, ist ein vollständiges Digital-Archiv. Nutzen Sie den Zugang zum Archiv oder der Produktion, so lange sie ihn haben, und speichern Sie Ihre wichtigen Artikel als pdf. Wenn Sie erst einmal das Unternehmen verlassen haben, kommen sie sehr viel schwerer oder nur gegen Bezahlung an die Dateien. Sie werden sie immer wieder für den Nachweis Ihrer Arbeit benötigen und sollten sie deshalb in Jahresordnern gegliedert abgelegen.

6. Dokumente vervollständigen und scannen

Eine weitere wichtige Aufgabe sind vollständige Unterlagen als pdf (Scans): Nachweise von Studium und Volontariat, Zeugnisse früherer Arbeitgeber, besuchte Weiterbildungen und andere Dokumente. Prüfen Sie die Vollständigkeit und fordern Sie nach, was fehlt oder abhanden gekommen ist. Wenn Sie privat keinen Scanner haben und es in Ihrer Redaktion nicht verboten ist, können Sie die Unterlagen schnell in Büro für sich scannen.

7. Lebenslauf erweitern und aktuell halten

Eines Ihrer wichtigsten Dokumente ist Ihr Lebenslauf. Ihn sollten sie immer aktuell halten, damit er bei Bedarf sofort verfügbar ist. Heute üblicher Stil: Zu Beginn ein kurzes Profil Ihrer Person (was Sie tun, worin Sie besonders stark sind), danach die beruflichen Stationen chronologisch absteigend mit jeweils drei bis fünf Stichpunkten, was Sie konkret gemacht oder erreicht haben. Im Netz finden Sie entsprechende Vorlagen.

Alle Dokumente – Lebenslauf, Dokumente, Arbeitsproben – sollten sie in einer niedrigen Auflösung speichern. So können Sie sie später problemlos (zu einer Datei zusammengefügt) per E-Mail versenden oder in ein Bewerbungsportal hochladen können. Da Sie all diese Dokumente potentiell Ihr gesamtes Berufsleben benötigen werden, legen Sie sie ebenfalls so ab, dass sie erhalten bleiben und immer leicht wiederzufinden sind. Besser als Ihr Laptop-Desktop eignen sich dafür oft Cloud-Speicher wie Google Docs oder Dropbox.

8. Netzwerken mit Kollegen in anderen Häusern

Als letztes gehört Netzwerken zu einer der wichtigsten Vorbereitungen: Bleiben Sie mit und in der Branche im Gespräch, konkret Kollegen in anderen Abteilungen und Medienhäusern. Niemand mag es, wenn er nur von jemanden angerufen wird, weil er einen Job braucht (und er oft kurzfristig gar nicht helfen kann). Nehmen Sie sich also jede Woche etwas Zeit, ihre beruflichen Beziehungen zu pflegen – hier eine E-Mail, da ein Treffen. Hervorragend eignen sich dafür auch Branchen-Treffen wie der European Newspaper Congress jeden Mai.

9. Coachings am besten als Vorsorge

In Bezug auf Coachings ist es natürlich auch immer leichter, in ruhigen Zeiten wichtige persönliche Fragen für sich zu klären: Wie könnte es eigentlich weitergehen mit meiner Karriere, wie gut bin ich persönlich und beruflich vorbereitet, wie sieht meine allgemeine Lebensplanung aus? Auch hier versteht es sich, dass sich diese Themen vorbereitend entspannter und mit mehr Ruhe angehen lassen als in einer akuten Krise.

Mit diesen Schritten sind sie bereit für überraschende Chancen und auch den Notfall und können ohne größeres Drama und existentielle Sorgen nach vorn blicken. Sie können Sie innerhalb weniger Minuten professionell bewerben, wenn Sie eine passende Stellenanzeige gesehen haben oder eine Idee haben, wem Sie eine Initiativbewerbung schicken könnten. Nehmen Sie sich daher die Zeit, so lange Sie sie haben.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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