Wer erfolgreich bleiben will, muss relevant bleiben

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Man muss keine Feng-Shui-Theorien bemühen, um festzustellen: Jede Redaktion hat ihren eigenen „Vibe“. Eine ganz spezielle Atmosphäre, die sich aus dem Titel und den Mitarbeitern, die für ihn arbeiten, ergibt. Der Begriff „Firmenkultur“ beschreibt das zu wenig. Es geht nicht nur um die Werte und Gepflogenheiten des Unternehmens, sondern um das inhaltliche und kulturelle Mikroklima: Worüber wird hier gesprochen und nachgedacht, wie sind Stil und Tonalität, was findet sich davon letztendlich in der Publikation wieder?

Das sind für einen Titel – und seine Mitarbeiter – nicht nur theoretische Überlegungen, sondern die Voraussetzungen für das geschäftliche Überleben: Wem es nicht gelingt, dadurch für Leser und Anzeigenkunden relevant zu bleiben, der muss irgendwann gehen. In der deutschen Mediengeschichte finden sich viele Beispiele dafür, „Quick“, „Tempo“, „Neon“, „Amica“, „Allegra“, „Max“ sind nur einige. Andere haben ihre Relevanz immer wieder neu etablieren können, indem sie ihr Konzept regelmäßig überdacht und angepasst haben.

Dankbarkeit ist keine langfristig gültige Währung

Als Coach für Medienprofis habe ich im Laufe der Jahre viele Redaktionen in Deutschland, der Schweiz und Österreich besucht. In manchen schien die Zeit stehengeblieben zu sein: Die Einrichtung ebenso noch aus den 90ern wie die Ideen und Arbeitsabläufe, alles irgendwie grau und erschöpft. Da hilft es irgendwann auch nicht mehr, verschiedenfarbige Stühle an den Konferenztisch zu rücken oder einen Tischfußballtisch in die Ecke zu stellen, um zumindest etwas Silicon-Valley-Ästhetik hereinzuholen. In anderen war und ist Frische und Dynamik spürbar: Hier hat jemand Lust auf die heutige Zeit, zeigt Gestaltungskraft und -willen.

Was für eine Redaktion gilt, das gilt ebenso für den einzelnen Mitarbeiter: Wer langfristig gefragt bleiben will, muss relevant bleiben. Die eigene Karriere hat vielleicht schon vor vielen Jahren an einem ganz anderen Ort angefangen, mancher hat anfangs gar noch auf der Schreibmaschine getippt. Doch Dankbarkeit ist keine langfristig gültige Währung im Berufsleben, sondern muss immer neu verdient werden. Das heißt: Modern, zeitgenössisch bleiben. Einige grundlegende Schritte können dabei bereits entscheidend helfen.

So bleibst du in der Zeit

  • Halte dich nicht ewig mit der Vergangenheit auf. Wer sich dabei ertappt, immer wieder von früher zu schwärmen („Ich weiß noch, als wir…“, „Zu meiner Zeit…“, „Damals waren noch Profis am Werk…“), kann das als Hinweis nehmen: Es wird Zeit für neue Abenteuer. Eine gelegentliche Sentimentalität ist verständlich und schön, aber wir haben 2019. Achte also besser auf heutige Erfolge und die neuen Profis.
  • Setze dich mit den heutigen Trends und Themen auseinander. Weit du, was in den aktuellen Charts bzw. Bestsellerlisten für Bücher oder Filme los ist? Oder konsumierst du hauptsächlich die angeblichen Klassiker, in Wahrheit meist die Favoriten der eigenen Jugend? Wenn es auch nicht immer dein persönlicher Geschmack sein sollte, ist es für dich als Medienprofi entscheidend, über das Jetzt im Bilde zu sein.
  • Überprüfe, wie aktuell dein Wissensstand ist. Das betrifft medienrelevante Technologien, aber auch Arbeitsweisen unserer Zeit, beispielsweise Agilität, Scrum oder Design Thinking. Überlege, wann du deine letzte Weiterbildung gemacht hast. Es ist nicht erforderlich, alles im Detail zu kennen. Aber du solltest in der Lage sein, die Trends der Branche zumindest grob einordnen zu können.
  • Jeder Marke wird regelmäßig optisch überholt. Das gilt für den redaktionellen Titel wie das eigene Erscheinungsbild. Wenn du noch immer den gleichen Look wie vor 20 oder 30 Jahren trägst, könnte es Zeit für ein Update sein. Scheue dich im Zweifel nicht, professionelle Beratung (z. B. Stylist) zu Rate zu ziehen. Das ist keine belanglose Oberflächlichkeit, du wirst entsprechend wahrgenommen.

Erfolgreich bleiben heißt neugierig bleiben

In jeder ersten Coaching-Session mit einem neuen Klienten geht es bei mir unter anderem um die persönliche Entwicklung. „Was hast du zuletzt Neues gelernt, sei es beruflich oder privat?“, ist eine Frage dazu. Mancher muss lange überlegen, ehe ihm etwas einfällt, andere haben sofort ein, zwei Antworten. Die zweite Frage ist, was jemand lernen möchte. Häufige Antworten hier: Spanisch sprechen, Gitarre spielen, frei sprechen, besser fotografieren. Du wirst deine eigenen Pläne finden, wenn du einmal darüber nachdenkst. Und dadurch den Spaß an der Sache entdecken. Du kannst auch nach einer langen Karriere immer noch ganz offen und spielerisch herangehen und dir deinen eigenen Weg neu gestalten.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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