Wie erkennen andere, dass ich eine Führungskraft werden will?

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Ein Online-Redakteur kündigte nach fünf Jahren seine Stelle, ohne etwas Neues in Aussicht zu haben. Seine Begründung verblüffte die Redaktionsleitung: Er habe sich selbst schon seit längerem als Führungskraft gesehen, aber sein Potential sei in der Redaktion nicht erkannt worden. Daher sehe er nun sich gezwungen, es woanders zu probieren. Die Einschätzung der Redaktionsleitung war, wenn sie auch nicht so offen geäußert, exakt gegenteilig: Ein mittelmäßiger Mitarbeiter, der sich seit Jahren nicht weiterentwickelt hat und seinem Bereich eher verwaltet als gestaltet – und sich, wie man feststellen muss, auch noch überschätzt.

Derart unterschiedliche Wahrnehmungen sind nicht selten. Viele Medienprofis fühlen sich verkannt: Sie sehen sich selbst als angehende Führungskräfte, werden aber nicht einmal gefragt, wenn eine freiwerdende Chef-Position zu besetzen ist. Vielfach liegt ein Irrtum vor: Seinen Job mehrere Jahre lang ordentlich erledigt zu haben und sich “nun den nächsten Karriereschritt” zu wünschen – das ist zu wenig. Hier einige entscheidende Schritte, die Sie vom Mitarbeiter zur Führungskraft werden lassen, sichtbar für alle um Sie herum.

Bringen Sie eigene Strategien und Konzepte ein

Wahrscheinlich sind Sie jeden Tag gut mit den aktuellen Themen Ihres Jobs beschäftigt, den sogenannten operativen Arbeiten. Als zukünftiger Vorgesetzter müssen Sie jedoch Ihren Fokus, so weit es nur geht, auf strategische und konzeptionelle Arbeiten verschieben: Wie können Dinge grundsätzlich besser funktionieren? Das können z. B. verbesserte Abläufe im Ressort sein, ein neues Print- oder Webprojekt. Eine hingeworfene Idee (“man müsste mal…”) ist dabei zu wenig. Arbeiten Sie auch aus, wie sie umgesetzt werden könnte – was es an Personal, Zeit und Geld braucht – und was die Firma damit gewinnen würde.

Treffen Sie Entscheidungen, wenn immer möglich

Wer wegen jeder Unklarheit und Unsicherheit zum Vorgesetzten läuft, disqualifiziert sich als zukünftige Führungskraft. Treffen Sie daher selbst Entscheidungen, wenn immer es Ihr Arbeitsbereich zulässt, und wagen Sie auch hier, die Grenzen zu testen. Bis wohin entlasten Sie Ihren Chef durch Eigeninitiative, wo möchte er weiter beteiligt bleiben? Damit üben Sie selbst wichtige Chef-Kompetenzen: Klare Entscheidungen treffen, obwohl Sie nicht alle Informationen haben – und auch damit leben können, wenn Sie Fehler gemacht haben.

Hoffen Sie nicht, dass Fleiß allein genügt

Mancher Mitarbeiter nimmt sich emsig allen Aufgaben an, die andere nicht so gern machen (z. B. Meldungen schreiben, Serviceseiten füllen, Veranstaltungskalender pflegen). Das Problem: Derartige Leistungen sind schon wenige Tage wieder vergessen, und Fleiß ist kein Grund für eine Beförderung. Wer ständig unbeliebten Kleinkram erledigt, wird zwar gelobt, empfiehlt sich aber nicht für höhere Aufgaben – und wird irgendwann zum austauschbaren Arbeitsbienchen im Newsroom. Achten Sie immer auch auf die Relevanz Ihrer Arbeit.

Arbeiten Sie organisiert und strukturiert

Wenn Sie es nicht längst tun: Gewöhnen Sie sich organisiertes, strukturiertes Arbeiten an. Sie sollten immer die Übersicht haben, was Sie gerade tun und was noch offen ist. Dazu gehören geordnete Unterlagen, ein aufgeräumter Desktop, eine sortierte Mailbox. Chaos, Unordnung und ständige Überlastung machen es auf Dauer unmöglich, als Führungskraft zu bestehen. Wichtig: Regelmäßig Zeit für derartige Sortier- und Aufräumarbeiten einplanen, am besten als durchlaufenden Termin im Kalender blockieren (z. B. zwei Stunden freitags).

Lernen Sie, Prioritäten zu setzen

Als Führungskraft wird sich ein Problem, das Sie wahrscheinlich jetzt schon haben, weiter verschärfen: Es ist wesentlich mehr zu tun, als Sie selbst leisten können. Lernen Sie also früh, Prioritäten zu setzen – was ist mittel- bis langfristig wirklich entscheidend? Fast immer ist es nicht das drängende Tagesgeschäft, sondern Themen, die mit “man müsste mal…” beschrieben werden: Planungen, Vorbereitungen, Beziehungspflege, Trend-Diskussionen. Ein klassisches Modell für die Bewertung ist die Eisenhower-Matrix. Schreiben Sie mir eine kurze Nachricht, wenn Sie ein Arbeitsblatt mit einer Erklärung dieser Methode möchten.

Haben Sie den Mut, etwas zu sagen

In Konferenzen sitzen viele Teilnehmer mit guten Ideen. Doch wahrgenommen werden nur diejenigen, die sich nicht nur ihren Teil denken, sondern etwas sagen. Wenn Sie also bisher eher schüchtern und zurückhaltend sind: Lernen Sie, mutiger zu sein. Sagen Sie Ihre Meinung, machen Sie Vorschläge, bringen Sie –  angemessen im Stil, aber klar und deutlich – eigene Ideen ein. Auch hier üben Sie eine entscheidende Chef-Fähigkeit: Sich vor allen zu exponieren und damit zu leben, dass Sie sich damit auch angreifbar machen.

Treten Sie wie ein angehender Chef auf

Neben der fachlichen und persönlichen Eignung ist das Auftreten ein Faktor, der vielfach unterschätzt wird: Je weiter oben in der Hierarchie, desto mehr repräsentieren Sie das Unternehmen insgesamt. Achten Sie daher auf Ihre Wirkung. Im ausgeleierten T-Shirt, mit alten Jeans und den Umgangsformen aus Uni-Zeiten kommen Sie ab einem gewissen Alter nicht mehr weit. Sie sollen sich nicht verkleiden, aber als jemand zeigen, dem andere mehr Verantwortung übertragen würden – passend zum Unternehmen und Ihrer Abteilung.

Schließen Sie Ihre Wissenslücken

Je mehr Sie sich mit den genannten Themen beschäftigen, umso mehr werden Sie Wissenslücken feststellen. Meist kommen sie aus dem Bereich der Betriebswirtschaft: Wie stellt man ein Budget auf oder verwaltet es zumindest, wie führt man Mitarbeiter und was muss man zum Arbeitsrecht wissen, wie organisiert man Arbeitsabläufe? Bei Online-Medien kommen viele Technik- und Marketing-Aspekte hinzu. Schließen Sie diese Wissenslücken, um die neue Aufgaben schnell und effektiv erledigen zu können. Je nach Thema genügt manchmal ein Artikel oder ein Buch, manchmal muss es auch eine formelle Weiterbildung über eine längere Zeit sein (Personalabteilung nach Angeboten fragen).

Gelegentlich glauben Medienprofis, dass allein der Wunsch nach einer Führungsposition schon ausreichend qualifiziere. Motto: Erstmal Chef sein, dann bringe ich auch die Leistung. Hier ist zu sagen: Wer als Vorgesetzter in Betracht gezogen und dann auch bestehen will, braucht viel Vorarbeit. Dann aber muss das interne Angebot kommen – oder der gut vorbereitete Wechsel in ein anderes Unternehmen, wenn der Weg nach oben weiter versperrt ist.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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