Wie krisenfest ist dein Leben?

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Schon vor drei Wochen erzählte mir ein freier Moderator, den ich unterwegs zufällig traf, einigermaßen fassungslos: „Alle Veranstaltungen abgesagt wegen dem Virus! Vor Herbst brauche ich gar nicht erst anfragen.“ Eine Autorin aus dem Lifestyle-Bereich berichtete mir in diesen Tagen: „Meine Redaktionen sind nur noch mit der aktuellen Lage beschäftigt. Vorerst gibt es gar kein anderes Thema, also auch keine Aufträge!“ In den PR- und Eventagenturen wird mit den Teams bereits über Kurzarbeit gesprochen. 2020 ist unplanbar geworden.

Der Coronavirus ist für viele Medienprofis in kürzester Zeit auch zur ganz persönlichen Bewährungsprobe geworden. Wie sicher sind Aufträge bzw. der Arbeitsvertrag, gibt es Ersparnisse für den Notfall? Lässt sich das hastig angeordnete Home Office überhaupt so leicht umsetzen, vom passenden Arbeitsplatz in der Wohnung bis zur Internetverbindung? Und was, wenn nun auch die Kinder den ganzen Tag zu Hause sind – Mittagessen kochen und spielen, während man arbeiten müsste? Kurz: Wie krisenfest ist das eigene Leben?

Logistische Großmanöver aus dem leeren Newsroom

Chefredakteure und Ressortleiter sitzen plötzlich in fast leeren Newsrooms und müssen gleichzeitig die aktuelle Berichterstattung und logistische Großmanöver leiten. Wer kann überhaupt arbeiten, was tun bei extrem dezentralen Strukturen (z. B. Regionalzeitungen) oder schon vorher völlig unterbesetzten Redaktionen? Pragmatismus ist gefragt. Ich sah ehemalige Kollegen ihre iMacs in Bus und Bahn nach Hause transportieren, weil die Firma nie ausreichend Laptops angeschafft hatte. Home Office? Jetzt geht es plötzlich doch.
Auch auf einer tieferen Ebene wird einiges auf die Prüfung gestellt. Wie gut sind die eigenen Nerven, kann man sich trotz aller Aufregung einen klaren Kopf bewahren und anstehende Aufgaben ruhig, geordnet und geduldig angehen? Eine Krise ist immer ein Realitätscheck für die eigenen Annahmen. Funktioniert es wirklich so, wie man es sich gedacht und geplant hat – oder klappt alles eigentlich nur in guten Zeiten? Das gilt für einen selbst, aber auch für Partner und Familie. Wie sind Rückhalt und Beziehungen? Nun zeigt es sich.

Persönliche Organisation überprüfen und anpassen

Im beruflichen Bereich ist eine Einsicht für viele Freie: Sehr wenige Kunden, gar nur eine Redaktion, ist zu riskant. Höchste Zeit, das eigene Angebot und Kundennetz ausweiten. Das kann z. B. bedeuten, zusätzliche Themengebiete oder Formate aufzunehmen. Beispiel: Als Politikjournalist auch in der Lage sein, solide Ratgeber zu schreiben. Als Texter auch ein Live-Streaming organisieren zu können. „Diversifizieren“ ist der Management-Ausdruck dafür. Es ist keine Schande, noch nicht soweit zu sein. Fange jetzt damit an.

Gleiches gilt für die organisatorische Seite. Wenn man plötzlich nicht mehr ständig an seinen Schreibtisch in der Redaktion kommt, merkt man, dass lokales Datenmanagement seine Tücken hat. Ich selbst habe alle meine Artikel seit 1990 entweder gescannt oder als pdf in Google Drive abgelegt, dazu mehr als 1500 wichtige Kontakte in Gmail. Auch sämtliche Unterlagen und Mitschriften meines Studiums sowie Scans persönlicher Dokumente wie Zeugnisse, Ausweise usw. Damit immer greifbar, wo auch immer ich gerade sein sollte.

Auch im privaten Bereich lässt sich vieles prüfen. Wie hilfsbereit und belastbar ist der Partner bzw. die Familie im Notfall? Hat man bisher wirklich offen über die Finanzen gesprochen, vom Dispo bis zu Ersparnissen? Wer getrennte Wohnungen hat: Ist jetzt die Gelegenheit, zusammen zu ziehen und eine Wohnung aufzugeben oder unterzuvermieten? Ganz bodenständige Fähigkeiten sind nun auf einmal gefragt: Kinder beschäftigen, ohne nach wenigen Tagen selbst verrückt zu werden, selber kochen, sich organisieren.

Verbesserungen sind auch in der Krise noch möglich

Ich musste für diese Woche eine Vielzahl von lange geplanten Redaktionstreffen und einen Workshop absagen. Es kam nicht überraschend. Die meisten Verlage hatten bereits vorher weitgehende Home-Office-Anweisungen erlassen, externe Besucher eingeschränkt oder ganz untersagt. Meine Coachings führe ich bereits seit 2012 via Skype, Telefon oder WhatsApp durch. Ich habe meine Ausbildung in den USA gemacht. Da war das bereits damals üblich, um den Klienten die An- und Abreise zum Gespräch zu ersparen. Nun bewährt sich das im Zeitalter des „Social Distancing“ aus anderen Gründen.

Nicht alles lässt sich noch korrigieren, wenn die Krise erst einmal da ist. Aber sinnvolle Anpassungen sind immer möglich – von der Überprüfung des eigenen Geschäftsmodells bis zur beruflichen und persönlichen Organisation. Vor allem bietet sich die Chance, manches zukünftig komplett anders zu machen. Beispiel: Home Office soll auch in Zukunft ein festes Element bleiben.
In diesem Sinne: Lass dich nicht  vom Virus entmutigen, sondern dazu anregen, über mögliche Veränderungen in deinem eigenen Leben nachzudenken.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf kress.de

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