Wie schaffe ich es, ein ganzheitliches Leben zu führen?

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Die Redakteurin einer Tageszeitung schrieb seit mehr als zehn Jahren vor allem Ratgeber- und Lifestyle-Stücke. Sie wurden im Blatt gut platziert und von der Chefredaktion regelmäßig gelobt (“Wir brauchen mehr Service!”). Für sie selbst war aber erkennbar, dass Kollegen aus Ressorts wie Politik, News und Wirtschaft als gewichtiger angesehen und häufiger befördert wurden. Ihre Themen langweilten sie zunehmend, zudem fühlte sie sich – immerhin ein Masterstudium absolviert – unterfordert. Ein guter Job, aber gab es da nicht noch mehr?

Der langjährige Leiter eines Newsdesks, alleinstehend und kinderlos, war auf der Suche nach einer weniger stressigen Stelle ohne Sonn- und Feiertagsdienste. Er hatte gewisse Vorstellungen, wie der neue Job sein sollte, aber keine über sein sonstiges Leben. Wollte er in der Stadt bleiben, in die er nur wegen der Stelle gezogen war, oder aufs Land? War es zu spät, noch eine Familie zu gründen, sollte er wenigstens mehr für seine Freunde da sein?

Eine berufliche Neuorientierung ist oft der Anlass, über das eigene Leben insgesamt nachzudenken. Hat man die richtigen Schwerpunkte gesetzt oder etwas verpasst, was lässt sich noch nachholen und was muss als beiseite gelegt werden – “geht nicht mehr”. Hinter all diesen Gedanken steht ein ganz normaler Wunsch, nämlich der nach einem ganzheitlichen Leben. Aber was bedeutet das überhaupt und ist das realistisch? Dazu heute einige Gedanken.

Es geht nie nur um die Arbeit allein

Fast jeder meiner Klienten beginnt mit einem beruflichen Thema: Neuer oder besserer Job gesucht – oder den bestehenden effektiver erledigen. Das ist verständlich: Über die Arbeit lässt sich leichter reden als über private Wünsche und Sorgen. Wenn man ehrlich ist, rechtfertigt der Job mental auch eher den Zeit- und Kostenaufwand eines Coachings. Doch natürlich geht es nie nur um die Arbeit allein, sondern immer um das ganze Leben.

Auch ein ganzheitliches Leben hat natürlich den Beruf als ein zentrales Element. Aber eben auch Partnerschaft und Familie, Freunde und Sport, Freizeit und Lebenssinn. Sie sind alle miteinander verbunden. Der Job bestimmt z. B. das Budget, den Tages- und Wochenablauf und oft auch den Wohnort. Private Schwerpunkte fügen sich ein, für manche leichter als für andere. In jeder ersten Coaching-Session geht es daher um alle diese Lebensbereiche.

Klar werden, wie man wirklich leben will

Manche haben bereits sehr klare Vorstellungen davon, wie ein ganzheitlich gelungenes Leben für sie aussieht. Für andere sind einige Bereiche völlig vage, “darüber habe ich nie wirklich nachgedacht”, oder sie zweifeln daran, ob das überhaupt möglich sei. Doch ein ganzheitliches Leben ist mehr als nur eine Option – sondern entscheidend für die geistige, körperliche und seelische Gesundheit, damit auch für eine nachhaltige Karriere.

Mit zunehmendem Lebensalter nehmen natürlich die empfundenen Zwänge zu, die Befreiungsschläge der Jugend – “dann ziehe ich eben um!” – werden schwieriger. Die perfekte Arbeitsstelle ist in Stadt A, der Partner aber in Stadt B. Die Kinder sollen nicht die Schule wechseln müssen. Will man den langjährigen Mietvertrag wirklich kündigen, wo doch die Wohnungssuche immer schwieriger wird? Es scheint, als stecke man völlig fest.

Das Alltagsleben in Bewegung bringen

Wer sich erst einmal damit angefreundet hat, dass ein ganzheitliches Leben möglich ist, aber einen gewissen Entschlusswillen erfordert, kann erstaunlich viel erreichen. Die einzelnen Elemente des Lebens sind doch nicht so fixiert, wie es scheint. Hier geht eine kleine Änderung, da lässt sich etwas verschieben oder neu organisieren. Und langsam kommt das festgefügte Alltagsleben in Bewegung, und zwar in die gewünschte Richtung.

Entscheidend ist bei diesem Prozess, dass Sie sich zuerst klar machen, wie Ihr ideales Leben aussehen würde, wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen würden. Erzählen Sie jemandem davon, schreiben Sie es auf oder legen sie, wenn Sie kreativ sein wollen, eine Fotocollage davon an. Es geht weniger darum, nun dieses Ideal exakt umzusetzen. Diese kleine Übung zeigt Ihnen, was Ihnen wichtig ist und wie Ihre wahren Werte aussehen.

Vergleichen Sie als nächstes, wie viel davon bereits in Ihrem Leben existiert (was möchten Sie behalten), was Sie verändern oder komplett neu schaffen müssen. Oft reichen für den Anfang schon zwei, drei Anpassungen, um einen jahrelangen Prozess in Gang zu setzen. Beispiel: Jemand wechselt den Job, weil ihn die bisherige Arbeit überlastet, hat dadurch auch mehr Zeit für Dating und ein Hobby, aus dem eine Beziehung und eine nebenberufliche Selbstständigkeit werden. Die nächste Jobsuche beginnt auf einer ganz anderen Ebene.

Für ein ganzheitliches Leben können und sollten Sie sich also entscheiden – beginnend damit, dass Sie überhaupt an die Möglichkeit glauben. Ja, die Dinge lassen sich miteinander vereinbaren. Nehmen Sie sich einmal eine Stunde Zeit und überlegen Sie sich, wie Ihr ideales Leben aussehen würde und was Ihnen dazu eigentlich fehlt (wenn Sie mögen, können Sie mir Ihre Gedanken dazu auch schicken). Ihre Lebensjahre sind wertvoll, auch wenn die täglichen Angelegenheiten immer drängen, nutzen Sie sie.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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