Wie sich Medienprofis aus Lebenskrisen befreien

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Eine Journalistin saß seit mehreren Jahren in einer Redaktion fest, die sie schon lange verlassen wollte, zumal sie dort nicht einmal gut verdiente. Nach zwei Coaching-Sitzungen, bei denen es anfangs nur um ihre beruflichen Optionen gehen sollte, stellte sich heraus: Ihr Mann verdiente seit mehr als zehn Jahren kein Geld, weil er sich – bisher erfolglos – als Romanautor versuchte. Die finanzielle Verantwortung, auch für die Kinder, lag allein bei ihr und hielt sie davon ab, das Risiko eines Wechsels einzugehen. Gleichzeitig machte sie sich selbst Vorwürfe: Hatte sie versagt, weil sie nicht energischer darauf gedrängt hatte, dass er sich eine reguläre Arbeit suchte? Hätte sie sich trennen sollen, wie sollte das gehen? Lebenskrisen beginnen oftmals mit genau diesen Fragen.

Ein Produktmanager wollte eigentlich im Coaching planen, wie er seine nebenberufliche Selbständigkeit ausbauen könnte. Doch in den Gesprächen über den Businessplan zeigte sich, dass er bei Verwandten bereits hoch verschuldet war. Das Geld hatte er für gescheiterte frühere Projekte, den Kauf von Drogen sowie Kurse bei einem spirituellen Guru, von dem er sich Hilfe erhofft hatte, ausgegeben. Die geschäftliche Planung und die erhoffte Aufgabe der Festanstellung, die ihn und seine Familie trug, rückte nach hinten. Stattdessen wurden plötzlich andere Themen vordringlicher: Sucht- und Schuldnerberatung, eventuell eine Therapie, klärende Gespräche mit Ehefrau und Angehörigen, die er nun endlich führen wollte.

Manchmal liegen die Sorgen tiefer

Für die meisten meiner Klienten – Medienprofis, die sich beruflich oder persönlich verändern wollen – geht es darum, berufliche Ziele zu erreichen. Einen neuen, interessanteren oder bessere bezahlten Job finden, in der aktuellen Position besser werden, etwa nach einer Beförderung oder einem Verlagswechsel. Doch es kommt eben auch vor, dass andere, tiefer liegende Sorgen aufscheinen. Dann geht es um Lebenskrisen. Oft vorgebracht als nebensächliche Anmerkung, „übrigens…“, sind sie in Wahrheit eine schwere Last. Nicht selten mit Scham besetzt, weil sie ein Tabu berühren, sich als persönliches Versagen anfühlen und kaum mehr lösbar erscheinen.

Sprich mit jemanden über dein Problem

Zuerst: Für mich als Coach sind solche Dinge nicht schockierend, ich sehe darin auch kein Versagen. Das Leben verläuft nicht immer glatt und wie erhofft. Manche Entscheidung war im Rückblick falsch, damals schien sie aber richtig. Mach dir sich also nicht allzu viele Gedanken darüber, was man über dich denken könnte. Versuche auch nicht, alles mit dir selbst abzumachen oder das Problem erst zu lösen, ehe du anderen davon erzählst.

Es ist unheimlich befreiend, endlich offen zu reden, und gibt dir mehr Kraft, dich um die Lösung zu kümmern. Selbstverständlich solltest du überlegt herangehen. Mitarbeiter und Kollegen sind nicht die richtigen Gesprächspartner, Vorgesetzte nur bei besonderem Vertrauensverhältnis. Aber es gibt Partner, gute Freunde oder professionelle Begleiter. Je nach Situation z. B. Sucht-, Schuldenberater, Seelsorger, Selbsthilfegruppe, Therapeut oder Coach.

Mach dir klar, dass es vielen so geht

Viel Energie geht verloren, wenn du dein Problem vor allen verschweigst und sogar dich selbst belügst. Typisch sind Redewendungen wie „im Moment ist es ein bisschen schwierig“, obwohl es schon Jahre so geht, oder „das kriege ich schon wieder hin“, obwohl ein enormer Kraftakt erforderlich wäre, für den du jede Unterstützung brauchst. Mach dir klar, dass es vielen so geht wie dir, und dass das keine Schande ist.

Fast alle Lebenskrisen betreffen Geldsorgen (z.B. verschuldet trotz gutem Einkommen oder dauerhafte Belastung durch Partner oder Verwandte), Beziehungskrisen (z.B. psychische oder körperliche Gewalt, ungesunde emotionale Abhängigkeiten) oder Suchtprobleme aller Art. Hier darfst du dir, bei allem Ernst der Lage, sagen: Alles schon einmal dagewesen – andere haben es geschafft, ich muss das jetzt auch hinkommen.

Lebenskrisen in kleinen Schritten angehen

Oft ist es nicht möglich, das tiefer liegende Problem sofort zu lösen. Beispiel: Eine schwierige Ehe ist nicht innerhalb weniger Wochen verbessert oder aufgelöst. Beginne daher, deine Lage in kleinen Schritten zu verbessern. Was könntest du jetzt tun, damit es dir besser geht? Nicht selten findet dieser erste Schritt in einem anderen Gebiet statt. Beispiel bei einem schwerwiegenden Beziehungsproblem: Erst einmal auf einen besseren Job woanders konzentrieren, bei Erfolg löst der Umzug bereits vieles automatisch mit.

Kleine Erfolge geben dir auch das Vertrauen in dich selbst zurück. Wenn du das geschafft hast, kannst du auch Größeres angehen. Ein gestärktes Selbstbewusstsein ist entscheidend, denn oft sind unangenehme Gespräche zu führen: Etwas eingestehen, von anderen etwas einfordern, etwas aushandeln. Achte dabei auch immer darauf, dich ausreichend zu erholen: Seelische Arbeit kostet Kraft. Vielleicht hast du viel Zeit verloren und bedauerst das – umso wertvoller und wichtiger ist deshalb, was jetzt vor dir liegt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kress.de.

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